Michael Hesemann, Historiker und Autor
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28. Mai 2019: Parlamentarisches Gebetsfrühstück in der Wiener Hofburg

Auf Einladung der österreichischen Parlamentsabgeordneten Dr. Gudrun Kugler (ÖVP) nahm Hesemann zum zweiten Mal am "parlamentarischen Gebetsfrühstück" in der Wiener Hofburg teil. Über 250 Gäste aus 20 Konfessionen sowie auf 25 Ländern hatten sich um 08.00 Uhr früh im Dachfoyer der Hofburg eingefunden. Inmitten der politisch turbulenten Situation - am Vortag war Bundeskanzler Sebastian Kurz durch den ersten erfolgreichen Misstrauensantrag in der Zweiten Republik samt seinem Kabinett vom Nationalrat abgewählt worden - spielte das gemeinsame, fraktionsübergreifende Gebet eine besonders wichtige Rolle. In seiner Ansprache ging Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) dann auch auf die aktuelle politische Situation ein. "Wir haben keine Staatskrise, ich darf Sie beruhigen", versicherte er den Gästen aus aller Welt. Als Antwort auf die Frage "Wie geht es jetzt weiter, was ist die Perspektive?" zitierte er den Psalm 23: "Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen." Impulsvorträge hielten der deutsche Psychiater, Krankenhausleiter und Bestsellerautor Manfred Lütz und der Unternehmer Veit Schmid-Schmidsfelden. Bernd Rützel, MdB überbrachte ein Grußwort des Gebetsfrühstücks aus dem Deutschen Bundestag. Altabt Gregor Henckel Donnersmarck, der Kardinal Schönborn bei der Veranstaltung vertrat, las eine Stelle aus der Bergpredigt (Lk 6,27-38) vor und interpretierte die herausfordernde Botschaft des Evangeliums „Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.“ Musikalisch wurde die Veranstaltung vom Kinderchor KISI gestaltet, der Lieder mit biblischen Texten in deutscher, englischer und hebräischer Sprache vortrug.

Als Moderatoren führten NAbg. Dr. Gudrun Kugler (ÖVP) und NAbg. Mag. Christian Ragger (FPÖ) durch die Veranstaltung. Finanziert wurde das Frühstück von den Parlamentsklubs der ÖVP und FPÖ.

Abgeordnete Gudrun Kugler erklärt als Hauptverantwortliche für die Organisation des Gebetsfrühstücks, das Anliegen des Treffens mit folgenden Worten: „Beim Gebetsfrühstück geht es um Brückenbauen über Parteigrenzen hinweg: Raum auch für Freundschaft und ein Miteinander ohne politsche Agenda. Dies trägt zu einem respektvolleren Umgang im politischen Alltag und bei Nationalratssitzungen bei. Authentischer Glaube und Gottesbeziehung sind gerade in Zeiten einer zunehmenden Säkularisierung für die Gesellschaft etwas Wesentliches, tragen zu Zusammenhalt und Konfliktlösung bei.“

Die Tradition des parlamentarischen Gebetsfrühstücks entstand vor über 60 Jahren in den USA, wo seit Dwight D. Eisenhower die amerikanischen Präsidenten – Demokraten wie Republikaner – daran teilnehmen. Inzwischen fand es europaweite Verbreitung. Sowohl im Deutschen Bundestag als auch  im Europäischen Parlament findet seit Jahren regelmäßig ein Gebetsfrühstück statt.Ähnliche Treffen gibt es auch in Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Moldawien, Rumänien, Mazedonien, in der Ukraine und der Slowakei.

Am Vorabend hatte die Ungarische Botschaft Hesemann zu einer Experten-Podiumsdiskussion zum Thema Christenverfolgung mit dem EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit Ján Figeľ, der OSZE-Sonderbeauftragten Prof. Ingeborg Gabriel und dem ungarischen Staatssekretär für die Hilfe verfolgter Christen, Tristan Azbej, eingeladen. Das Fazit: Europa muss mehr tun, um effektive Maßnahmen gegen die Verfolgung von Christen und anderen religiösen Minderheiten zu entwickeln! In einem Wortbeitrag plädierte Hesemann im Namen der Prinz-Gharios-Stiftung für die Errichtung eines Rates der Orientalischen Christen, um die Vertreter aller im Orient präsenten Konfessionen an einen Tisch zu bekommen, ihre Probleme anzuhören, Hilfsmaßnahmen zu koordinieren und Hilfsgelder gerecht zu verteilen. "Wir reden von 'den Christen', aber eine solche einheitliche Gruppe gibt es nicht. Es gibt 40 verschiedene, manchmal rivalisierende Konfessionen, deren Situation ganz unterschiedlich ist. Dabei sind oft diejenigen, die am tiefsten in der Bevölkerung verwurzelt sind, am schlechtesten global vernetzt. Ist es wirklich gerecht, eine Kirche zu bevorzugen und die andere zu vergessen? Gewiss, in theologischen Fragen mögen sie unterschiedlicher Ansicht sein, aber ihre Rahmenbedingungen, der Grad ihrer Verfolgung, betrifft sie alle gleich. Darum sind wir verpflichtet, sie alle an einen Tisch zu laden und anzuhören. Und mein Vorschlag ist, schnellstmöglich dazu die Rahmenbedingungen zu schaffen, ob nun in Brüssel, in Budapest oder in Wien." 

http://gudrunkugler.at/kathpress-aritkel-hochrangige-podiumsdiskussion-zum-thema-christenverfolgung/

24. Mai 2019: Amtseinführung von Bischof Isaakhanyan

 

Bischof Serovpe Isakhanyan ist in sein neues Amt als Leiter der Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland eingeführt worden. Michael Hesemann war bei der Amtseinführung dabei. Vertreter aller christlichen Kirchen und kirchennahe Laien haben dem neuen Primas der Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland, Bischof Serovpe Isakhanyan, gratuliert. Die Armenische Apostolische Kirche habe einen Geistlichen zum Oberhaupt gewählt, dem die kirchlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik seit fast einem Vierteljahrhundert aus eigenem Erleben bestens vertraut seien, sagte der Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser am vergangenen Freitag bei der Amtseinführung von Isakhanyan in Köln.

Als langjähriger Pfarrer verschiedener Gemeinden in Deutschland und als Bischofsvikar seines Vorgängers, Erzbischof Karekin Bekdjian, habe der neue Primas "einen reichen Erfahrungsschatz gesammelt", führte Steinhäuser aus, der Glück- und Segenswünsche des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, überbrachte.

Nach verschiedenen Stationen in der Seelsorge in Armenien und Usbekistan wurde Isakhanyan 1995 nach Deutschland entsandt, wo er in Köln, Berlin, Bremen, Hamburg, Halle, Braunschweig, Hanau, Mainz, Gießen und Frankfurt als Gemeindepfarrer tätig war. Von 2010 bis 2017 war er zugleich Generalvikar der 1991 gegründeten Diözese mit 15 Gemeinden. Am 12. Mai empfing Isakhanyan in der Kathedrale von Etschmiadsin nahe der armenischen Hauptstadt Yerevan die Bischofsweihe. Zu den Gratulanten gehörten Bischof Anba Damian von der koptisch-orthodoxen Kirche, die Bischöfe  Mor Julius Hanna Aydin und Philoxinos Mathias Nayis von der syrisch-orthodoxen Kirche, Vertreter der Landesregierung von NRW, die Kölner Bürgermeisterin henriette Reker sowie Armeniens Botschafter Ashot Smbatyan.


16. Mai 2019: Studientag "Rom" in Heiligenkreuz


Erneut wurde Hesemann von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. im österreichischen Zisterzienserkloster Heiligenkreuz bei Wien eingeladen, um im Rahmen eines Studientages zu dozieren. Veranstalter des Studientages, der im Bernardinum stattfand, war das Ausbildungsinstituts für biblische Archäologie der Hochschule. Referenten wareb: Friedrich Schipper, Martin Waiguny (Präsentation des postgradualen Lehrgangs ‚Biblische Reisen‘), Martin Schöffberger (Rom als Studiengegenstand und Pilgerziel), Johann Stockenreiter (Auf den Spuren Kaiser Konstantins), Reinhard Knittel (Die päpstliche Kurie), Rainer Murauer (Papstregister und Nuntiaturberichte), Christian Wiesner (Posttridentinisches Papsttum und Römische Kurie), Christoph Egger (Päpstliches Urkundenwesen) und Michael Hesemann, der über "Die Reliquien der ewigen Stadt" sprach. 

11. Mai 2019: Hesemann von Papst Tawadros geehrt


Papstbesuch in Düsseldorf! Der Papst der koptisch-orthodoxen Kirche, S.H. Tawadros II., kam an den Rhein, um die ehemals katholische "Bunkerkirche" in Heerdt als neues Gotteshaus der stetig wachsenden koptischen Gemeinde der Landeshauptstadt einzuweihen. So lud die koptisch-orthodoxe Diözese "Süddeutschland", zu der Düsseldorf gerechnet wird, auch Hesemann zur Begegnung mit dem Patriarchen von Alexandria und ganz Afrika auf dem Stuhl des hl. Markus ein. Hesemann hatte sich seit Erscheinen seines Buches "Jesus in Ägypten" (2012) immer wieder um die Kopten in Deutschland und den ökumenischen Dialog mit der koptisch-orthodoxen Kirche bemüht. In Rom hatte er zwei koptische Erzbischöfe, Anba David (2015) und Anba Damian (2018) Papst Franziskus und dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, vorgestellt. In Deutschland sprach er auf diversen Veranstaltungen der koptischen Kirche und sammelte als Vorstandsvorsitzender der Prinz Gharios-Stiftung Spendengelder für eine koptische Flüchtlingskirche. Auch Papst Tawadros war er bereits mehrfach begegnet - zuerst 2013 Wien, dann in Kröffelbach und Höxter/Deutschland, zuletzt 2015 in Jerewan und Etchmiadzin/Armenien. 

Womit Hesemann nicht gerechnet hatte: Auf dem Empfang der koptisch-orthodoxen Kirchengemeinde Düsseldorf sollte der Autor zusammen mit anderen um die Kopten verdienten Düsseldorfern geehrt werden. So verlieh S.H., Papst Tawadros II. Michael Hesemann an diesem Abend die Silbernen Medaille des Heiligen Markus. Weitere Geehrte waren u.a. der Nordrhein-Westfälische Landtagspräsident André Kuper, der Düsseldorfer Bürgermeister Friedrich Conzen, Erzpriester Dmitry Sobolevskiy von der russisch-orthodoxen Gemeinde, diverse orthodoxe, katholische und protestantische Kleriker sowie der Kopten-Experte Prof. Dr. Wolfgang Boochs. Und auch er einnerte sich an die Begegnungen mit Hesemann: "Wir kennen uns doch", begrüßte er den Autor, der das gerne bestätigte.

Hesemann dankte Seiner Heiligkeit für die Ehrung - und "revanchierte sich" mit einer Reliquie des Evangelisten Markus in einem Behältnis aus dem 18. Jahrhundert aus seiner eigenen Sammlung.


6. Mai 2019: Bei der Vereidigung der Schweizergarde


Ein schönes Wiedersehen vieler guter Freunde aus dem Kirchenstaat: Wie jedes Jahr nahm Michael Hesemann auch 2019 auf Einladung von Kommandant Oberst Christoph Graf (Foto) an der Vereidigung der Rekruten der Päpstlichen Schweizergarde teil. Der Termin erinnert an den 6. Mai 1527, als beim Sacco di Roma mehr als drei Viertel der Truppe (147 der insgesamt 189 Mann) gemeinsam mit ihrem Kommandanten Kaspar Röist bei der Deckung des Rückzugs von Papst Clemens VII. in die Engelsburg ihr Leben ließen. Die folgenden Tage nutzte Hesemann zu Archivrecherchen zusammen mit der Wiener Historikerin Gertrud Gräfin Festetics.

24.-27. April 2019: Gedenken an die Opfer des Völkermordes - trotz Drohungen

 

Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich waren von Drohungen überschattet. Der Zentralrat der Armenier in Deutschland ist bestürzt über die Behinderungen der bundesweiten Gedenkveranstaltungen.

Seit Jahrzehnten wird der 24. April weltweit als Gedenktag für die Opfer des Völkermordes an den Armeniern begangen. Am 24. April 1915 hatte das jungtürkische Regime mit der Verhaftung der armenischen Elite in Konstantinopel begonnen. Etwa 2500 Notable wurden damals erst nach Anatolien deportiert und dann bis auf wenige Ausnahmen ermordet. Danach begannen im ganz Anatolien die Verhaftungen. Meist wurden die erwachsenen Männer vor die Städte und Dörfer geführt und dort erschlagen oder erschossen. Anschließend trieben die türkischen Gendarmen Frauen, Kinder und Alte auf regelrechten Todesmärsche hunderte, oft tausende Kilometer weit durch das gebirgige Land in die syrische Wüste. Wer diese überlebte, wurde den Winter über in die Konzentrationslager von Deir el-Zor, Rakha oder Ras-ul-Ain gepfercht, um an den extremen Temperaturen, Unterernährung oder Seuchen zu sterben. Die wenigen Überlebenden trieb man im Sommer 1916 noch tiefer in die Wüste - wo sie verdursteten oder massakriert wurden. Etwa 1,5 Millionen Armenier, aber auch etwa 300.000 syrische Christen fielen dem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts zum Opfer.

Bis heute wird dieses Jahrhundertverbrechen von den Türken geleugnet. Erst 2019 setzte der türkische Diktator Erdogan seinem menschenverachtenden Zynismus die Krone auf, als er die Verbrechen der Türken am 24.4.2019 für "angemessen" erklärte: "Die Umsiedelung der armenischen Banden und ihrer Unterstützer ... war die vernünftigste Maßnahme, die damals ergriffen werden konnte." Natürlich lügt er: Denn nicht "armenische Banden" wurden auf die Todesmärsche geschickt, sondern, wie gesagt, Alte, Frauen und Kinder. Armenier, die (so Erdogan) "muslimische Frauen, Kinder und Alte massakrierten", gab es nicht. Es gab lediglich einzelne Armenier, die ihren Mördern Widerstand leisteten. Auch seine Behauptung “keine Gruppe und kein Staat konten ihre Behauptungen in der Armenierfrage mit Archivdokumenten belegen" ist eine Lüge. Deutschland hat seine Archivdokumente zum Völkermord veröffentlicht, ebenso Österreich - und natürlich der Vatikan: Nicht nur in Michael Hesemanns Buch "Völkermord an den Armeniern", sondern seitdem auch in der siebenbändigen wissenschaftlichen Edition "La Questione Armena" (ed.: P. Ruyssen SJ). 

Tatsächlich führte die volksverhetzende Rede des islamofaschistischen Diktators zu türkischen Störungen des friedlichen Gedenkens an die armenischen Märtyrer. So musste eine Gedenkveranstaltung in der evangelischen Luther-Kirche in Stuttgart-Bad Cannstadt am 24. April nach einer Bombendrohung abgesagt werden. Hesemann war an diesem Tag vom ASTA der Universität Bielefeld zu einem Vortrag eingeladen worden, der nach einem (falschen) Feueralarm erst eine dreiviertel Stunde später beginnen konnte - entsprechend wenig Zuhörer waren geblieben, da die Veranstalter die Verschiebung nicht mehr kommunizieren konnten. Drei Tage später nahm Hesemann als geladener Gast an der zentralen Gedenkveranstaltung des Zentralrats der Armenier in Deutschland und der armenisch-apostolischen Diözese in der Frankfurter Paulskirche teil. Hier war ein Vortrag über die Perspektiven der Institutionalisierung des Gedenktags in Deutschland am Beispiel Frankreichs angekündigt. Der vorgesehene Redner, Herr Mourad Franck Papazian, Co-Präsident des Koordinierungsrates der Armenischen Vereine in Frankreich, hatte selbst einen wichtigen Beitrag zur Ausrufung des 24. April als eines nationalen Gedenktag in Frankreich für die Opfer des Genozids an den Armeniern geleistet. Doch der prominente Hauptredner der Gedenkveranstaltung in der Paulskirche musste wenige Stunden vor der Veranstaltung seine Teilnahme wegen akuter Sicherheitsbedenken absagen. Er habe eine Warnung der französischen Sicherheitspolizei erhalten, dass er eine Zielscheibe türkischer Extremisten in Deutschland werden könnte.

N
ach den Zwischenfällen in Bad Cannstatt und in Frankfurt, muss der Zentralrat der Armenier in Deutschland nun in die Diskussion einsteigen. Der Vorsitzende, Herr Dr. Owassapian, bezeichnete die Vorfälle als „eine neue Dimension von Einschüchterungsversuchen gegenüber den armenischen Gemeinden in Deutschland“, die von der deutschen Regierung viel zu wenig beachtet und ernstgenommen werden würden: „Es ist eine Schande, dass das Gedenken an die Opfer eines Völkermordes durch Drohungen und Störungen beeinträchtigt und behindert wird“.
Dies sei nicht nur ein „Armutszeugnis für die deutsche Demokratie“, sondern auch „eine Widerspiegelung des aus der Türkei systematisch exportierten und in Deutschland viel zu lange tolerierten Armenier-Hasses. Wir sind alle zutiefst bestürzt und schockiert, dass so etwas in Deutschland geduldet wird und niemand seine Stimme erhebt“. „Man fragt sich“, so Owassapian, „wo nach der Bundestagsresolution des Jahres 2016 die klaren und lauten Verurteilungen aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft bleiben“. Trotz der Resolution und der darin offiziell eingestandenen Mitschuld am Völkermord an den Armenier setzt sich die Bundesrepublik Deutschland mit diesem Teil ihrer Geschichte nicht ansatzweise auseinander.

Offenbar können die Armenier in Deutschland nicht einmal ungestört an die Vorfahren und die Opfer des Völkermords gedenken. Die türkische Leugnungspolitik hat damit in Europa neue Dimensionen erreicht. Gegen die systematisch verfolgte Leugnungspolitik der Türkei brauchen wir gerade deswegen eine Institutionalisierung der Erinnerung an den Genozid an den Armeniern in Deutschland. Die Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern muss Teil des erinnerungspolitischen Diskurses in Deutschland und Europa werden, so der Zentralrat der Armenier in Deutschland.

Eine gute Nachricht traf zeitgleich aus Portugal ein: Das  portugiesische Parlament hat den Genozid an den Armeniern anerkannt. In dem Votum heißt es unter anderem: „In den Jahren während und nach dem Ersten Weltkrieg wird geschätzt das 800.000 bis 1,5 Millionen Menschen im Zuge des Genozids getötet wurden. Die systematische Vernichtung, durchgeführt von den osmanischen Machthabern, richtete sich gegen die armenische Minderheit im eigenen Territorium und wird von der internationalen Gesellschaft von Historikern als der erste Genozid des 20. Jahrhunderts angesehen.“ Weiter heißt es: „Die Hauptverantwortlichen des Genozids wurden für ihre Verbrechen von einem osmanischen Kriegsgericht (1919-1920) zum Tode oder zu Haftstrafen verurteilt, jedoch wurden die Urteile dieser Tribunale nie vollstreckt.“

 23. April 2019: Hesemann zu Frieds "Scheintodhypothese"


Hat Jesus die Kreuzigung überlebt? Die These des Mediävisten Prof. Johannes Fried sorgte zu Ostern 2019 bundesweit für Schlagzeilen und hob sein Buch "Kein Tod auf Golgatha" in die Bestsellerlisten. Im Münchner Merkur nahm Hesemann zu den wirren Thesen des Historikerkollegen Stellung:

"Überlebte Jesus die Kreuzigung? Mit Sicherheit nicht. Daran ändert auch die Steinbruch-Exegese des Historikerkollegen Fried nichts. Denn sich ein beliebiges Detail für eine medizinische Diagnose aus den Evangelien herauszusuchen, den Kontext aber zu ignorieren, gilt nicht. Entweder stimmt alles oder nichts.
Die Kreuzigung war im Römischen Reich eine Todesstrafe für Hochverräter. Die Römer setzten sie gerade in unruhigen Provinzen so exzessiv ein, dass sie sicher wussten, was sie taten. Nicht auszudenken, dass ein verurteilter Aufrührer seine Kreuzigung überleben, entkommen, den Mythos seiner Auferstehung verbreiten und dann vielleicht zuschlagen könnte. Zumal Jesus nach seiner Kreuzigung nicht einfach verschwand, sondern laut Paulus (1 Kor 15, 1-8) buchstäblich Hunderten Augenzeugen erschien, zuletzt auch ihm, dem Agenten des Sanhedrin.
Hätte Jesus die Kreuzigung tatsächlich überlebt, wäre er durch sie zumindest zum Krüppel geworden. Mit durchbohrten Füßen und Handgelenken – Nägel durch den Handteller hätten nie das Körpergewicht halten können – war er gewiss nicht in der Lage, gleich am übernächsten Tag den stundenlangen Fußmarsch nach Emmaus auf sich zu nehmen. Nägel durch das Handgelenk verletzen den Mediannerv, der die Daumenmotorik steuert. Ganz sicher hätte er auf absehbare Zeit weder Brot brechen noch Fische grillen können. All das aber schreiben ihm die Evangelisten für die Tage und Wochen unmittelbar nach seiner Kreuzigung zu. Eine Zeit für die Reha gab es nicht. So wäre die völlige Heilung Jesu nach drei Tagen ein kaum kleineres Wunder als seine Auferstehung von den Toten.
Doch wie will Fried erklären, dass selbst seine engsten Freunde und Verwandten Jesus zunächst nicht erkannten – weder Maria Magdalena, die ihn für einen Gärtner hielt, noch die Emmaus-Jünger, sein Onkel Kleopas und dessen Sohn Joses. Wie, dass er offenbar sogar durch verschlossene Türen gehen konnte? Und schließlich: Wohin soll sich der Überlebende der Kreuzigung denn so sang- und klanglos abgesetzt haben? Nach Indien vielleicht, wie die muslimische Ahmaddiya-Sekte behauptet, deren Gründer seinen Stammbaum so gerne auf den Nazarener zurückgeführt hätte? Ganz sicher nicht!
Wer die Schilderungen der Evangelien ernst nimmt, begreift, dass Jesus schon bei Ankunft auf Golgota vor dem körperlichen Zusammenbruch stand. Pilatus hatte ihn nicht, wie vor Kreuzigungen Usus, nur sieben Mal mit der Geißelpeitsche schlagen lassen, sondern exzessiv gegeißelt, um der Masse entgegenzukommen. Das Höchstmaß von 39 Schlägen aus zwei Richtungen, mit dreischwänzigen Geißelpeitschen, an deren Lederriemen doppelte Bleikugeln befestigt waren, ist wahrscheinlich. Danach war Jesus jedenfalls so geschwächt, dass er nicht mehr in der Lage war, den ca. 35 Kilo schweren Querbalken seines Kreuzes zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Beim dritten Sturz musste ein Mann aus dem Volk, Simon von Cyrene, einspringen und den Balken nach Golgota tragen. Nach Ansicht des amerikanischen Gerichtsmediziners Prof. Dr. Frederic Zugibe von der Columbia-Universität in New York weisen schon die Stürze auf einen hypovolämischen Schock, einen Kreiskollabs infolge der Geißelung hin, der zu einer langsamen Ansammlung von Lungenflüssigkeit, zu sog. Brustfellergüssen, führte.  Die extremen Schmerzen der Annagelung ans Kreuz mit ihrer Verletzung der Median- und Plantarnerven führten zu einem sog. Kausalgie-Trauma, das durch den stundenlangen Todeskampf am Kreuz, die unerträglichen Schmerzen und Krämpfe selbst bei der kleinsten Bewegung, noch verstärkt wurde. Der relativ schnelle Tod, so Zugibe, war Folge eines totalen Kreislaufzusammenbruchs, kombiniert mit Herz- und Atemstillstand aufgrund des allmählich aufgebauten Lungenödems. Diese Diagnose deckt sich exakt mit der auch von Fried als Beweis zitierten Beobachtung des Evangelisten Johannes (19,34): Als ein Legionär, um den Tod festzustellen, seine Lanze in die Seite Jesu stieß, „flossen sogleich Blut und Wasser heraus“. Tatsächlich hatte die Lanze, die das Herz traf, zuvor die mit Flüssigkeit gefüllte Lunge durchbohrt. So ergossen sich Blut aus dem Herzvorhof und Lungenflüssigkeit („Wasser“) aus der Lanzenwunde. Eine „Punktion der Pleura“, wie sie Fried annimmt, wird mit einer feinen Nadel vorgenommen, nicht mit einer 3-4 Zentimeter breiten, tödlichen Waffe. Eine kleine Stichwunde kann sich sofort wieder schließen, bei der Lanzenwunde dagegen trat Luft in den Brustkorb ein und verursachte einen Lungenkollaps. Wäre der Gekreuzigte nicht bereits tot gewesen, er würde spätestens jetzt sterben, wenn das verletzte Herz die Lunge mit Blut füllt.
So bleibt kein Zweifel am Tode Jesu. Seine Auferstehung mag Glaubenssache sein, sein Tod ist es nicht. Ein billiger Taschenspielertrick reicht nicht aus, um ein glaubwürdiges Szenario zu stützen. Wer den Glauben von zwei Milliarden Christen erschüttern will, sollte sich schon etwas mehr Mühe geben."

siehe https://www.merkur.de/welt/historiker-behauptet-jesus-ueberlebte-kreuzigung-und-erntet-massive-kritik-zr-12207155.html

Später rezensierte Hesemann das Buch ausführlich:

„Dann kam ich, der Professor…“

Michael Hesemann über Johannes Frieds „Kein Tod auf Golgatha“
 
Zum Bühnenprogramm des katholischen Psychiaters und Kabarettisten Manfred Lütz gehört das Bonmot: „2000 Jahre ist die Kirche in die Irre gegangen und dann kam ich, der Professor!“ Es ist das heimliche Motto dieses Buches, das durch einen mächtigen Medien-Hype pünktlich zu Ostern 2019 in die deutschen Bestsellerlisten gehievt wurde. Ein Buch, das seinen Erfolg in erster Linie dem Umstand verdankt, dass sein Autor auch anders konnte. Auch wenn es lange her zu sein scheint: Johannes Fried hat einmal durchaus Brauchbares zur Geschichte des Mittelalters veröffentlicht. Dafür wurde er vor 24 Jahren mit dem Deutschen Historikerpreis geehrt. So ist auch seinem Verlag kein allzu großer Vorwurf zu machen. Ein prominenter Autor verkauft sich immer. Selbst wenn sein Name allerdünnsten, kalten Kaffee ziert.

Hätte er das Buch unter Pseudonym veröffentlicht, wäre vielleicht sein Ruf als Historiker gerettet worden, Hype und Verkauf allerdings ausgeblieben. Ein Buch, das auf mageren 167 Seiten nichts als haltlose Spekulation bietet, das auf seiner „Suche nach dem überlebenden Jesus“ auf keine einzige halbwegs plausible Spur stößt, hätte man allenfalls einem Erich von Däniken durchgehen lassen, dem Großmeister der Phantahistorie. Selbst Holger Kersten, der in den 1980er Jahren den Ahmaddiya-Mythos von Jesu Flucht nach Indien erfolgreich kolportierte, argumentierte plausibler. Er konnte sich zumindest auf gefälschte tibetische Klostertexte berufen und gab ein Sufi-Grab aus dem 15. Jahrhundert als letzte Ruhestätte des Gottessohnes aus.

Fried dagegen hat für sein Konstrukt nur ein Indiz: Die Schilderung des Evangelisten Johannes. Dort heißt es: Um festzustellen, ob der gekreuzigte Jesus tatsächlich tot war, stieß ihm ein römischer Legionär seine Lanze in die Seite „und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“ (Joh 19, 34) Per Ferndiagnose, 2000 Jahre später, will Fried wissen, dass Jesus nicht etwa tot gewesen, sondern „in eine tiefe, narkoseähnliche CO2-Ohnmacht gefallen“ sei. Auch der Lanzenstich habe ihm nicht den Todesstoß versetzt, sondern „wie eine Entlastungspunktion“ gewirkt und die Atemnot gelindert. Erst nach der Grablegung habe sich der Nazarener allmählich erholt. Nach drei Tagen soll er das Grab verlassen, seine Jünger besucht und sich kurz vor dem Schawuot-Fest ins benachbarte Ausland abgesetzt haben.

Frieds allzu durchschaubare Methode, um dieses Szenario glaubwürdig erscheinen zu lassen, ist seine Steinbruchexegese. Alles, was seine These widerlegen könnte, wird zu späterem Beiwerk erklärt. Fried ist einer der letzten Vertreter der Spätdatierung. Seiner Ansicht nach entstanden die kanonischen Evangelien gegen Mitte des 2. Jahrhunderts, basierend auf einem Ur-Evangelium, in dessen Besitz ausgerechnet der Ketzer Markion war. Dass Papyrusfunde sich als Fragmente der Evangelien von Markus, Johannes und Matthäus aus dem 1. Jahrhundert erwiesen (das älteste ist um 45 entstanden!), will er nicht wahrhaben. Auch die Entdeckungen der Archäologie seit der Gründung des Staates Israel ignoriert er; kein Wort davon, dass die Evangelien nachweisbar Lokalkolorit „atmen“, dass sie ausgegrabene Stätten präzise beschreiben, dass sie ein exaktes Bild der Sitten und Gebräuche des Judentums vor der Zerstörung des Tempels 70 n.Chr. liefern, einer Welt, die mit dem „Jüdischen Krieg“ zugrunde ging und den vermeintlichen Autorenkollektiven in Rom, Korinth oder Ephesus ein Jahrhundert später verschlossen gewesen wäre. Nichts will Fried davon wissen, denn für ihn ist nur eines an den Evangelien authentisch: Das Zeugnis des Johannes vom Lanzenstich, das er (sich auf nicht weniger phantasiebegabte Mediziner stützend) zum Dreh- und Angelpunkt seiner „wahren Jesusgeschichte“ auserkor.
„Smoking gun evidence“ nennen die Amerikaner ein solches Indiz, wenn es denn eines wäre. Doch ist Frieds Hypothese plausibel, zumindest denkbar? Eine Punktion wird mit einer spitzen Nadel vorgenommen, nicht mit einer zentimeterbreiten Klinge. Römische Legionäre waren alles andere als zimperlich, sie mussten es sein. Hätten sie einen zum Tod am Kreuz Verurteilten vorzeitig abgenommen und ihm dadurch das Leben gerettet, wären sie selbst hingerichtet worden. Die Römer waren routinierte Kreuziger, oft wurden Dutzende, Hunderte, ja Tausende ans Holz geschlagen, um Exempel zu statuieren und potenzielle Unruhestifter abzuschrecken. Das Töten war das Handwerk des Soldaten. Undenkbar, dass der Legionär mit seiner Lanze lediglich die Lunge punktierte. Sicher setzte er sie im rechten Rippenzwischenraum an und stieß sie dem Toten bis ins Herz. Durch den stundenlangen Todeskampf hatte sich Lungenflüssigkeit angesammelt, dazu Blut im Herzvorhof. Beides, „Wasser und Blut“, suchten sich ihren Weg ins Freie, als die Stichwaffe wieder herausgezogen wurde. Eben das beschrieb der vierte Evangelist. Sogleich trat Luft in den Brustkorb ein, was zu einem erhöhten Druck in der Brusthöhle führte. Die Folge wäre, hätte der Gekreuzigte noch gelebt, ein Lungenkollaps. Spätestens jetzt würde er sterben, denn das verletzte Herz füllte die Lunge mit Blut.

Während die Evangelien die Auferstehung Christi in seinem verklärten Leib schildern, mutet Fried seinen Lesern ein noch größeres Wunder zu. Denn obwohl ein Zentimeter breite, 18 Zentimeter lange eiserne Nägel (wie man sie in den Gebeinen eines Gekreuzigten fand, den Archäologen in einem Jerusalemer Grab entdeckten) sein Handgelenk zerschlagen und den Mittelarmnerv durchstoßen hatten, obwohl auch seine beiden Füße durchbohrt waren und zumindest eine Lunge kollabierte, sei sein Jesus nach nur drei Tagen bereits vollständig genesen. Er habe von innen den tonnenschweren Stein beiseite gerollt, der den Grabeingang verschloss, die Wachen überrascht und am Sonntagabend bereits den kilometerlangen Fußweg nach Emmaus zurückgelegt, ohne sich durch allzu auffälliges Humpeln zu verraten. Wie er mit verletztem Mediannerv in Emmaus das Brot brach, darüber schweigt sich Fried lieber aus. Obwohl nach Auffindung des leeren Grabes Römer wie Juden nach ihm fahndeten, ließ sich sein Jesus 40 Tage Zeit, um immer wieder seine (ganz sicher nicht observierten) Jünger in Jerusalem und Galiläa zu treffen. Erst dann machte er sich allein auf den Weg – vielleicht nach Jordanien, vielleicht nach Syrien, vielleicht auch nach Ägypten, jedenfalls nie weit genug vom römischen Machtbereich entfernt, um völlig in Vergessenheit zu geraten. Weil Frieds Jesus selbstverständlich das genaue Gegenteil von dem lehrte, was in den Evangelien steht, glaubt der Mittelalter-Experte auch über einen untrüglichen Schlüssel zur Aufdeckung seiner Spuren zu verfügen: Er ermögliche ihm, „Jesu Weg in die Fremde zu verfolgen, eben durch das Beachten vor- und frühchristlicher ‚Häresien‘“ (S. 95). Wo immer also Irrlehren unter dem Deckmantel des Christlichen verbreitet wurden, will Fried den historischen Nazarener verorten.

Fündig wird er mit dieser Methode nicht. Keine einzige heterodoxe Sekte behauptete, Lehren vom geflohenen Jesus empfangen zu haben. Selbst die Phantasie-Evangelien der Gnostiker beriefen sich auf geheime Offenbarungen an seine zwölf historischen Jünger, nicht auf einen neuen Schülerkreis des Messias emeritus. Niemand verehrte eine Wirkungsstätte außerhalb des Heiligen Landes, nirgendwo wurde das volle Grab des Nazareners lokalisiert, der spätestens zu Ende des 1. Jahrhunderts verschieden sein müsste. Frieds „überlebender Jesus“ ist ein Phantom, das keinerlei Spuren in der Geschichte hinterlassen hat – und offensichtlich nur in der Phantasie seines „Entdeckers“ existierte.

„Könnte“, „würde“, „warum nicht?“ – Frieds Spekulatius-Evangelium ist voller solcher Gedankenspiele. War er dort? Oder eher nicht? Trachtete er nach dem Königtum? Oder doch nach einem Leben als kynischer Wanderphilosoph? Nichts Genaues weiß man nicht. Und so ist jeder Spinnerei Tür und Tor geöffnet. Könnte Jesus nicht nach Amerika gesegelt sein und dort die Mormonensekte begründet haben? Oder doch in Kaschmir zum Ahnherrn des Ahmaddiya-Gründers geworden sein? Alles ist bei Fried möglich, der selbst eingesteht: „Gewissheit ist nicht zu gewinnen. Alles bleibt vage: die Spekulationen enden nicht.“ (S. 121) So greift er zu einem Taschenspielertrick, noch billiger als die vorgetäuschte Auferstehung, nämlich die Autosuggestion durch das rhetorische Mittel der Wiederholung. Was beim ersten Mal noch als Vermutung erscheint, wird beim sechsten Mal zur Möglichkeit, beim zwölften Mal aber als Gewissheit präsentiert. Vielleicht hätte der Autor doch besser, wie ursprünglich geplant, einen Roman geschrieben. Aber für einen solchen fehlte ihm dann wohl doch ein plausibles Szenario.

Was aber veranlasste einen durchaus renommierten Mann wie Fried, seinen guten Ruf mit diesem Buch zu ruinieren? Musste er zwanghaft seine Kindheit als Sohn eines protestantischen Pastors aufarbeiten? Wollte er Karl Friedrich Bahrdt nacheifern, jenem „protestantischen Theologen und Freimaurer, der Jesus eine Art Illuminatenorden gründen ließ, in den er sich nach seinem Pseudotod zurückgezogen habe“ (S. 14)? Zumindest politisch korrekt ist der spekulative Synkretismus, in dem sich Fried im Kapitel „Nachwirkungen“ gänzlich verliert. Jetzt wird Jesus, „der Gesegnete“ (Arabisch: muhammdun), auch noch zum Begründer des Islam, dessen Leugnung des Kreuzestodes zum Insiderwissen erklärt. Auf einmal - jetzt ziemlich perfide - soll seine Schnapsidee auch noch ein „helles Licht auf die Entstehung zweier Weltreligionen“ werfen: Beruht das Christentum auf den Betrug der Anhänger Jesu, die Verfälschung seiner Lehren und die inszenierte Auferstehung, finden sich die „wahren Lehren“ Jesu laut Fried im Qur’an wieder. Da wird es Zeit für uns Christen, die Segel zu streichen und uns Allah zu unterwerfen, sind wir doch bislang „einem Irrtum aufgesessen, einem Schein- und Nicht-Wissen erlegen“ (S. 165).  Erst dann hätte der Mittelalter-Historiker und Pastorensohn sein Ziel erreicht, „dazu beizutragen, gegenwärtige religiös motivierte, doch politisch hochgepeitschte Kontroversen zu entschärfen.“

Es gab schon geistreichere, auch perfidere Angriffe gegen den christlichen Glauben; haltlosere und durchschaubarere aber kaum. Si tacuisses, philosophus mansisses: Als Historiker hat sich Fried mit seinem Alterswerk disqualifiziert."

18. April 2019: Hesemann vom FOCUS interviewt


FOCUS-Online-Redakteur Armin Fuhrer befragte Michael Hesemann zu der bevorstehenden Öffnung der Vatikanarchive in Sachen Pius XII.:

"Bis heute ist die Rolle von Papst Pius XII während des Nationalsozialismus umstritten. Der Vatikan kündigte an, im März 2020 die entsprechenden Akten freizugeben. FOCUS Online sprach mit dem Historiker Michael Hesemann darüber, welche Erkenntnisse er aus den Dokumenten erwartet.

Der renommierte Historiker Michael Hesemann beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit christlichen Reliquien und setzt sich als deutscher Repräsentant der „Pave the Way-Foundation“ für eine Aussöhnung zwischen Juden und Christen ein. Er veröffentlichte kürzlich das Buch „Der Papst und der Holocaust“. Im Interview sprach er mit uns über Papst Pius XII. und die Bedeutung, die die Freigabe der geheimen Akten im Vatikanhaben könnte.

Wie beurteilen Sie die angekündigte Öffnung der Akten zu Papst Pius XII?

Als sehr gute Nachricht, auf die wir Historiker lange gewartet haben. Jetzt können wir uns endlich ein Gesamtbild von den Aktivitäten des Heiligen Stuhls und Pius XII. machen, mit denen versucht wurde, in den schrecklichen Zeiten des Holocaust so viele Menschenleben wie möglich zu retten. Auch wenn ich nicht mit großen Überraschungen rechne, da schon 1964 Papst Paul VI. eine vierköpfige Historikerkommission berief, die wichtigsten Dokumente zu veröffentlichen – was in den nächsten 17 Jahren in einer elfbändigen Edition von 7700 Seiten Umfang geschah. Diese „Akten und Dokumente des Heiligen Stuhls zum Zweiten Weltkrieg“ sind sogar online einsehbar.

Es gibt ja schon eine Reihe von Akten zur Zeit des Dritten Reiches. Welche genau werden jetzt hinzu kommen?
 
2006 öffnete Papst Benedikt XVI. die Archive Pius XI. (1922-1939), also bis Februar 1939. Jetzt kommen die Akten aus dem Pontifikat Pius XII. (1939-1958) hinzu, also aus der Kriegs- und Nachkriegszeit.
 
Pius XII ist umstritten unter Historikern. Was werfen seine Kritiker ihm vor?

Sie werfen ihm vor, zum Holocaust geschwiegen zu haben und führen dazu die abenteuerlichsten Gründe an: Antijudaismus, Desinteresse, Führungsschwäche, Angst vor Stalin und daher Sympathie mit Hitlers Kriegsziel. Alles Unsinn, wie wir heute wissen.

Was führen seine Verteidiger hauptsächlich an?

Pius XII. war einer der größten Freunde des Judentums, den die damalige Kirche hatte. Er war sogar privat mit einer jüdischen Familie befreundet und half Juden, wo immer er konnte. Er bezeichnete schon 1924 den Nationalsozialismus als die „gefährlichste Irrlehre unserer Zeit“ und nannte Hitler 1937 einen „Schurken, dem man nicht trauen kann“ und einen „abgrundtief bösen Menschen“. Hitlers Krieg gegen Stalin beschrieb er mit den Worten „ein Teufel jagt einen anderen“, den Nationalsozialismus hielt er für „noch gefährlicher als den Bolschewismus“. Tatsächlich unterhielt er seit Oktober 1939 Kontakt zum deutschen Widerstand und segnete seine Pläne zum Sturz Hitlers ab. Bis dahin galt es durchzuhalten, nach außen hin Neutralität vorzuspielen und so viele Juden wie möglich zu retten.

Sie selbst haben ja schon für Ihr Buch Akten im Vatikan aus der Zeit des Dritten Reiches eingesehen. Welche waren das? Zu welchem Urteil sind Sie persönlich gekommen?

Ich habe selbst alle relevanten Akten aus dem Pontifikat Pius XI. durchgearbeitet, dazu die bereits veröffentlichten Akten Pius XII. und hatte auch Zugang zu einzelnen, wichtigen Dokumenten aus seinem Pontifikat. Zudem arbeitete ich eng mit dem Archivar des vatikanischen Staatssekretariats und dem Relator (Untersuchungsrichter) im Seligsprechungsprozess Pius XII. zusammen. In meinem Buch weise ich nach, dass es sehr wohl drei offene Proteste gegen die Ermordung rassischer Minderheiten im Dritten Reich gab, aber nur einen der Alliierten – und, vor allem, über 40 diplomatische Interventionen, um die Deportationen der Juden zu stoppen! Zudem beschaffte der Vatikan über 40.000 Juden Visa für Auswanderungsländer und bezahlte sogar ihre Überfahrt, da sie aus dem Reich kein Geld mitnehmen durften. Tausende Juden wurden zudem in Klöstern versteckt. Insgesamt, so weise ich nach, verdanken 965.000 Juden dem Papst ihr Leben. Niemand anderer hat so viel für sie getan wie Pius XII.!

Erhoffen Sie sich durch die neuen Akten dann eine endgültige Klärung der Frage, wie sich Pius XII tatsächlich gegenüber dem Dritten Reich verhalten hat?

Da, wie gesagt, die meisten relevanten Dokumente bereits veröffentlicht sind, erwarte ich nur hier und dort neue Details, aber keine weltbewegenden neuen Erkenntnisse. Die Öffnung der Archive hat vor allem symbolische Bedeutung: Fortan wird niemand mehr dem Heiligen Stuhl vorwerfen können, etwas zurückzuhalten. Jeder Historiker kann fortan nach Rom kommen und sich selbst ein Bild machen!

Warum hat Ihrer Meinung nach der Vatikan die Akten nicht längst schon freigegeben? 

Weil wir von fast 16 Millionen Seiten reden und die vatikanischen Archive – es geht ja nicht nur um das Geheimarchiv, sondern auch um die Archive des Staatssekretariats und der Kongregationen – nur ein paar Dutzend Mitarbeiter haben. Es war eine Riesenarbeit, das alles zu ordnen, zu katalogisieren und zu digitalisieren. Darum hat es auch länger gedauert, als man ursprünglich geglaubt hatte. Schon Benedikt XVI. wollte diese Akten freigeben – aber das haben die Mitarbeiter einfach nicht geschafft.

Können Sie sich eigentlich sicher sein, dass der Vatikan wirklich alle Akten veröffentlicht? Er braucht ja für die Vorbereitung ein Jahr - könnte es da nicht auch zu Ausdünnungen kommen?

Es dauert noch ein Jahr, weil einige Nuntiaturakten noch fehlen. Lücken sind schnell nachzuweisen. Und, vor allem, was soll der Vatikan hier verbergen? Ihm wird ja nicht vorgeworfen, etwas Falsches getan, sondern etwas unterlassen zu haben. Dass er mit Hitlers Vasallenregierungen verhandelte, um Deportationen zu stoppen, wissen wir. Dass er sich dabei nach außen hin neutral geben musste, um nicht von vornherein abgewiesen zu werden, auch. Hätte Pius XII. noch offener den Holocaust verurteilt, gar Hitler exkommuniziert oder im Radio zum Widerstand aufgerufen, wäre die Lage eskaliert. Im Reich hätte die Zensur verhindert, dass der Protest bekannt wird. Aber Hitler hätte dem Papst vorgeworfen, eine Marionette der Alliierten oder der Juden zu sein und hätte einen Vorwand gehabt, brutalst gegen die Kirche vorzugehen. Er hatte ja bereits Befehl erteilt, den Vatikan zu annektieren und den Papst zu verschleppen oder zu ermorden, wenn er protestiert. Pius XII. war zum Martyrium bereit – aber niemand hätte sich dann noch für die Juden einsetzen können. Sicher wissen wir aber, dass Pius XII. 1943, als die Deutschen Rom besetzten, viele Dokumente verbrennen ließ, aus Sorge, sie könnten den Nazis in die Hände fallen.

Angeblich soll es sich ja um mehrere Millionen Blatt handeln. Droht ein Historiker nicht, in dieser Masse schlicht zu ertrinken?

Ja, fast 16 Millionen und ja, diese Gefahr besteht. Wobei die Mehrheit der Dokumente doch innerkirchliche Prozesse betrifft und es zudem um einen Zeitraum von 19 Jahren geht. Da muss man sich als Historiker auf sein Thema konzentrieren. Was den Holocaust und das Dritte Reich betrifft, sind es dann „nur noch“ vielleicht 100.000 Seiten.

Werden Sie selbst die Gelegenheit wahrnehmen und die Akten einsehen?

Natürlich werde ich das. Ab dem 2. März 2020 bin ich für drei Wochen in Rom. Mal schauen, wo ich mein Buch noch ergänzen kann. Und ich weiß schon genau, wonach ich zuerst suchen werde…"

https://www.focus.de/wissen/mensch/religion/papst-pius-xii-geheime-vatikan-akten-verraten-wahrheit-ueber-den-hitler-gegner_id_10531796.html



30. März 2019: Hesemann eröffnet Ausstellung über Eucharistische Wunder

Hesemanns Kapitel über "Eucharistische Wunder" in seinem Buch "Menetekel" faszinierten den Pfarrer von Oschersleben, Christoph Sperling so sehr, dass er die Erkenntnisse des Autors seinen Gemeindemitgliedern durch ein Ausstellung vermitteln wollte. Er kontaktierte Hesemann, der sofort zu einer Zusammenarbeit bereit war; er stellte Pfr. Sperling die Bilder seiner Powerpoint-Präsentation zur Verfügung, mit der er seine Vorträge zu dem Thema illustriert: Eine Sammlung seltener Bilddokumente und Zeugnisse aus zwölf Jahrhunderten. Mitten in der Fastenzeit war es dann so weit: Während großformatige Ausdrucke die Kirchenwände zierten, hielt Hesemann im Pfarrheim den Eröffnungsvortrag vor 150 neugierigen Zuhörern. Zudem hatte Sperling einen Ehrengast eingeladen: Pfarrer Andrzej Ziombra aus Legnica/Liegnitz in Niederschlesien, wo sich am 25. Dezember 2013 eines der spektakulärsten Eucharistischen Wunder der Gegenwart ereignete, dessen Echtheit 2016 von der Kirche offiziell anerkannt worden war. Ziombra ergänzte Hesemanns Vortrag durch sein Zeugnis, konzelebrierte am nächsten Tag die Sonntagsmesse und hielt eine Predigt über die Bedeutung des Wunders, bei dem sich eine konsekrierte Hostie in einen menschlichen Herzmuskel im Zustand des Todeskampfes verwandelt hatte, wie zwei Laboratorien in voneinander unabhängigen Untersuchungen bestätigten. Tausende strömten jetzt auch in den folgenden Wochen in die Kirche von Oschersleben, um mehr über die Selbstoffenbarung des Altarsakramentes zu erfahren. Ab Herbst 2019 soll die Ausstellung, von Pfr. Sperling initiiert, auch durch Deutschland touren. Zuvor, Ende Juli, führt Hesemann eine Pilgergruppe nach Liegnitz.


24. März: "Our Sunday Visitor" interviewt Hesemann


Auch die Amerikaner befragten Hesemann über die von Papst Franziskus für 2020 angekündigte Öffnung der Vatikanarchive zu Pius XII. Das Interview erschien am 24. März im "Sunday Visitor", der meistgelesenen katholischen Wochenzeitung der USA. "Hitlers Papst war in WIrklichkeit sein meistgefürchteter Gegner" lautet die Überschrift. Zeitgleich kündigte der größte katholische Verlag der Vereinigten Staaten, Ignatius Press, an, dass Hesemanns Buch "Der Papst und der Holocaust" im Winter 2019/20 auf Englisch erscheinen wird.
Hier das gesamte Interview:
https://www.osvnews.com/?s=Hesemann 

22. März 2019: Hesemann feiert 55. Geburtstag 


Im engsten Kreis - mit ein paar Freunden, seiner Mutter und Hündin Lucy - feierte Michael Hesemann im "rheinischen Rothenburg", dem mittelalterlichen Städtchen Zons, seinen 55. Geburtstag. Das schönste Geschenk erhielt er von der armenischen Malerin Marietta Armena, die er ein Jahr zuvor zu ihrer Audienz bei Papst Franziskus begleitet hatte - eine Skizze seiner letzten Begegnung mit Papst Benedikt XVI.

16. März 2019: "Die Jesus-Tafel" jetzt als Taschenbuch


Der Klassiker ist wieder da! 20 Jahre nach Erscheinen von Michael Hesemanns Bestseller "Die Jesus-Tafel" (1999) erschien das Buch jetzt in einer aktualisierten, überarbeiteten Taschenbuchausgabe im Freiburger Herder-Verlag.
Die Neuausgabe ist ergänzt durch die jüngsten Forschungsergebnisse, die die Authentizität einer der spektakulärsten Reliquien der Christenheit noch wahrscheinlicher machen.

 

4. März 2019: Papst Franziskus öffnet Vatikanarchive zu Pius XII.

Genau 80 Jahre nach der Wahl Pius XII. am 2. März 1939 mehren sich die Zeichen, dass Papst Franziskus den Weltkriegspapst bald seligsprechen will. Am 4. März 2019 gab er den Termin für die Öffnung der bislang verschlossenen Archive mit den brisanten Dokumenten zum Holocaust und der Rettung von fast einer Million Juden durch den Vatikan bekannt - den 2. März 2020! Der Historiker und Pius-Experte Dr. Michael Hesemann erklärte dazu:

"Gleich nach der Kontroverse um Rolf Hochhuths ahistorisches Skandaldrama „Der Stellvertreter“, das Pius XII. ein Schweigen zum Holocaust aus Desinteresse am Schicksal der Juden und Sympathie für Hitlers „Kampf gegen den Bolschewismus“ vorwarf, ließ Paul VI. demonstrativ das Seligsprechungsverfahren für den Pacelli-Papst eröffnen. Zudem wies er eine Kommission aus vier internationalen Historikern unter Leitung von Prof. Dr. Pierre Blet SJ an, das vatikanische Geheimarchiv zu durchforsten und eine wissenschaftliche Edition der wichtigsten Dokumente aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu erstellen. Nach 16 Jahren waren elf Bände von gut 7700 Seiten Gesamtumfang erschienen, in denen 5141 bislang geheime Dokumente veröffentlicht sind. Der Seligsprechungsprozess unter Leitung des Relators (Untersuchungsrichters) Prof. Dr. Peter Gumpel SJ endete im Mai 2007 mit dem einstimmigen Votum der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen, das Papst Benedikt XVI. vorgelegt wurde. Der ging auf „Nummer sicher“ und beauftragte einen unabhängigen Historiker mit der Sichtung des Aktenbestandes. Erst als dieser ebenfalls keine kompromittierenden Dokumente fand, dafür aber unzählige Belege für die unermüdlichen Aktivitäten des Weltkriegspapstes, die von den Nazis verfolgten und in Todeslager deportierten Juden zu retten, unterzeichnete der Ratzinger-Papst das Dokument und erkannte Pius XII. am 19. Dezember 2009 den „heroischen Tugendgrad“ zu.

Das stieß auf den heftigen Protest piuskritischer Historiker und Holocaust-Forscher, auch solcher jüdischen Glaubens, die vor einer Seligsprechung die Öffnung der Archive für die historische Forschung forderten. Tatsächlich hatte Benedikt XVI. schon 2007 die Mitarbeiter des vatikanischen Geheimarchivs angewiesen, eine Freigabe der Akten aus dem Pontifikat Pius XII. schnellstmöglich vorzubereiten. Damit wurde die weltweit in Archiven übliche „70-Jahres-Regel“ außer Kraft gesetzt. Regulär würden die rund 16 Millionen Seiten aus den Jahren 1939-1958 erst 2028 für die Forschung zugänglich gemacht. Trotzdem ließ sich ein so umfangreicher Aktenbestand auch nicht „von heute auf morgen“ katalogisieren und digitalisieren, erst recht nicht in dem personell eher dünn besetzten Vatikanarchiv. Immer wieder musste der Termin verschoben werden, etwa weil ganze Nuntiaturbestände noch nicht vorlagen. So verging mehr als ein Jahrzehnt, bis die Archivare „Licht am Ende des Tunnels“ vermelden konnten. In der Zwischenzeit war Benedikt XVI. zurückgetreten und Franziskus zu seinem Nachfolger gewählt worden. Wichtige Posten in der römischen Kurie wurden neu besetzt, die Anordnung Benedikts XVI. hatte keine Priorität mehr. Auch in der Heiligsprechungskongregation wurde die causa Pius XII. plötzlich „auf die lange Bank“ geschoben. Obwohl es mehrere Berichte von teils spektakulären Heilungen und Gebetserhörungen nach Anrufung Pius XII. um Fürsprache gab, hatte der neue Generalpostulator der Gesellschaft Jesu plötzlich „keine Zeit“, den Fällen vor Ort nachzugehen. Doch auch er wurde bald darauf ausgetauscht.

Eine Zeit lang schien es, als sei nur noch eine jüdische Organisation, die „Pave the Way Foundation“ (PTWF) des New Yorkers Gary Krupp, an der Rehabilitation Pius XII. interessiert. Krupp geht es dabei um zweierlei: ein Hindernis im jüdisch-katholischen Dialog aus dem Weg zu räumen und schlichte Dankbarkeit; immerhin konnten PTWF-Historiker nachweisen, dass Pius XII. fast eine Million Juden vor dem Holocaust gerettet hatte. Als ich (Michael Hesemann) 2010 in den gerade geöffneten Archivbeständen aus dem Pontifikat Pius XI. Dokumente fand, die belegten, dass Pacelli bereits im Januar 1939 (also nur zwei Monate nach der Pogromnacht) als Kardinalstaatssekretär versucht hatte, für 200.000 deutsche Juden Visa zu bekommen, tauschte sogar die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem eine Pius-kritische Schautafel gegen einen neutralen Text aus. Im Oktober 2015 wurde PTWF beim neuernannten Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vorstellig, seit 2017 finden jährliche Treffen mit dem „Außenminister“ des Heiligen Stuhls, Erzbischof Gallagher, seit 2018 zudem mit dem neuen Archivar und Bibliothekar Seiner Heiligkeit, Erzbischof José Tolentino Calaça de Mendonça, statt. 2018 fasste ich schließlich in Zusammenarbeit mit der PTWF alle bislang bekannten Fakten und Dokumente – darunter Dutzende, die bislang noch unveröffentlicht waren – in meinem Buch „Der Papst und der Holocaust“ zusammen, das schon im Mai 2018 – fünf Monate vor Erscheinen - dem vatikanischen Staatssekretariat als Manuskript vorlag. 

Mit dem 60. Todestag Pius XII. (+ 9. Oktober 1958) wendete sich offenbar das Blatt. Das erste Anzeichen war ein Vortrag, den Erzbischof Marcello Bartolucci, Sekretär der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Anfang Oktober 2018 in Onano hielt, wo der junge Eugenio Pacelli die Sommermonate auf einem Landgut seiner Familie zu verbringen pflegte. Dabei dementierte Bartolucci ausdrücklich, dass die Seligsprechung Pius XII. „auf Eis gelegt sei“; vielmehr fehle nur noch das benötigte Wunder. Anschuldigungen, der Papst habe zum Holocaust geschwiegen und sei dem Schicksal des jüdischen Volkes gegenüber gleichgültig geblieben, bezeichnete der Kurienerzbischof als Folge einer „Verleumdungskampagne“. Die Zeugen im Seligsprechungsprozess hätten sich davon nicht beeinflussen lassen. Heute neige die Geschichtsschreibung wieder zu mehr Neutralität. Vollends überraschte Bartolucci sein Publikum aber, als er ein Telegramm von Papst Franziskus verlas, in dem der Bergoglio-Papst Pacelli als „aufrichtigen Freund der Menschheit und treuen Diener des Evangeliums“ pries, „zu dessen Werte er die Menschen guten Willens unablässig aufrief.“ 

Am 12. Dezember 2018 hatte ich im Rahmen einer Audienz die Möglichkeit, Papst Franziskus mein Buch „Der Papst und der Holocaust“ zu überreichen. „Pius XII. hätte es verdient, nicht nur seliggesprochen zu werden“, erklärte ich dem Heiligen Vater, „er hätte es auch verdient, zum Schutzpatron aller Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer ernannt zu werden. Immerhin hat er für Zehntausende Visa besorgt, hat fast eine Million verfolgte Juden gerettet. Die Belege finden Sie in meinem Buch“. Ich bemerkte, dass der Papst plötzlich ganz aufmerksam wurde. Vielleicht hatte ich ihm gerade eine Perspektive eröffnet, die ihm bis dahin noch nicht in den Sinn gekommen war. „Das ist sehr interessant“, antwortete er mir, „ich danke ihnen. Aber bitte beten Sie für mich.“ 

Ich weiß nicht, ob Papst Franziskus zwischenzeitlich einen Blick in mein Buch werfen oder mein beigelegtes Schreiben an ihn lesen konnte. Jedenfalls war ich Mitte Februar wieder in Rom, um für PTWF eine spektakuläre Audienz mit vorzubereiten: Der US-Abgeordnete Anthony D’Urso aus New York, der Schatzmeister des Staates New York, Thomas DiNapoli, der New Yorker Top-Anwalt Michael Weinstock und PTWF-Direktor Dr. Bennett Solberg waren auf Initiative von Gary Krupp in den Vatikan gekommen, um Franziskus wichtige Dokumente zu überreichen. D’Ursos Familie stammt aus Italien und hatte im Zweiten Weltkrieg Juden versteckt, wofür sie in Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt werden soll. Solberg übergab dem Papst Faksimiles vierer wichtiger Dokumente, von denen drei Funde meiner Recherchen waren: Die Eidesstattliche Erklärung des SS-Generals Karl Wolff, dass Hitler Befehl gegeben hatte, den Vatikan zu stürmen und den Papst nach Deutschland zu verschleppen, sollte er gegen die Judendeportationen protestieren. Den Bericht des Rektors der österreichischen Nationalkirche in Rom, Santa Maria dell’Anima, Bischof Alois Hudal, dass Pius XII. ihn durch seinen Neffen Carlo Pacelli beauftragt hatte, die Deportation der römischen Juden am 16. Oktober 1943 zu stoppen. Er wandte sich sofort an den deutschen Stadtkommandanten, General Stahel, der mit Himmler telefonierte und erreichte, dass die Razzia abgebrochen wurde. Ein weiterer Bericht Hudals, dass er im Auftrag Pius XII. von Stahel 550 unterzeichnete und abgestempelte Aushänge erbat und bekam, die römische Klöster und Ordenshäuser als „Vatikaneigentum“ auswiesen und deutschen Soldaten und SS-Männern den Zutritt untersagte (woran sich die Besatzer peinlich genau hielten). Dadurch war es dem Vatikan möglich, 4205 Juden in 235 Klöstern (und weitere im Vatikanstaat und in Castel Gandolfo) zu verstecken. Und schließlich den Tagebucheintrag der Oberin eines Augustinerinnenklosters, der bestätigte: „Der Heilige Vater wünscht, dass wir die Juden retten…“

Am 19. Februar hatten Gary Krupp, einige PTWF-Direktoren und meine Wenigkeit ein Abendessen mit Erzbischof Gallagher, dem „Außenminister“ des Vatikans. Er überraschte uns mit der Ankündigung, „am 2. März“ würde bekanntgegeben, wann im Jahre 2020 das Geheimarchiv die Bestände zu Pius XII. für die Forschung freigeben wird. Der Archivist des Staatssekretariats bestätigte uns später, dass ein solcher Plan besteht.
Tatsächlich meldete der bestens vernetzte Vatikankorrespondent der italienischen Tageszeitung „Corriere della sera“, Gian Guido Vecchi, am 2. März: „Papst Franziskus und die Akten über Pius XII. – Treffen am 4. März mit den Archivmitarbeitern.“ Danach trifft der Papst am heutigen Montag die Mitarbeiter des Vatikanischen Geheimarchivs in einer Sonderaudienz: „Es wird erwartet, dass Bergoglio dann grünes Licht für die Freigabe der Archive des Pacelli-Pontifikats gibt.“

Zehn Jahre lang hätten der Präfekt des Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano, und zwölf seiner Mitarbeiter die 16 Millionen Dokumente in über 15.000 Umschlägen und 2500 Ordnern aus den Beständen des Staatssekretariats, der Kongregationen der römischen Kurie und der Nuntiaturen geordnet. „Jetzt sei man so weit, nur für die Arbeit an den Nuntiaturdokumenten benötige man noch etwa ‚ein Jahr‘.“

Mit größeren Überraschungen rechnet dabei keiner der Experten. Das bereits bekannte Bild wird sich nur vervollständigen. Kritiker werden weiterhin den Vatikan verdächtigen, „irgendetwas zu vertuschen“. Doch zumindest ist dann die größte Hürde für die Seligsprechung Pius XII. aus dem Weg geräumt: Die Forderung der Historiker, „zuvor die Archive zu öffnen“."

Ein unerwartetes Kompliment erhielt Hesemann von Kurt Kardinal Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, der in der vatikannahen italienischen website "Rossoporpora.org" zur angekündigten Archivöffnung zitiert wird: "Der deutschschweizer Kardinal glaubt nicht, dass es größere Überraschungen über die Ereignisse (während des Holocaust) geben wird: 'Ich bin kein Prophet ... aber wir wissen bereits viel darüber, was in diesen Jahren passiert ist. Wir wissen viel über die Werke der Nächstenliebe; Wir wissen auch sehr viel über die Haltung von Pius XII. gegenüber dem Nationalsozialismus, die in verschiedenen Werken gezeigt wird, von denen ich nur eines erwähne, weil es mich besonders durch seine historische Solidität beeindruckt hat: 'Pius XII. Der Papst, der Hitler trotzte" von Michael Hesemann, das 2009 erschien.' ("Il porporato svizzero tedesco non ritiene che sulla conoscenza degli avvenimenti ci potranno essere grandi novità: “Non sono un profeta… però già oggi sappiamo molto di quanto successo in quegli anni. Conosciamo molto delle opere di carità; conosciamo molto anche dell’atteggiamento di Pio XII verso il nazismo, come si è dimostrato in diverse opere, tra le quali segnalo – perché mi ha particolarmente impressionato per la sua solidità storica – ‘Pio XII. Il Papa che si oppose a Hitler’ di Michael Hesemann, uscito nel 2009”.) 

26. Februar 2019: Hesemann antwortet auf antiklerikale Kampagne der BILD-Zeitung


Das deutsche Boulevardblatt BILD benutzte die Mißbrauchs-Synode im Vatikan als Vorwand, um Stimmung für eine neue, verweltlichte und protestantisierte zeitgeistkonforme Kirche zu machen. Hesemann reagierte empört und postete auf FACEBOOK:
„DAS ist, was man uns im Auftrag der Freimaurerei aufzwingen will, um die Kirche zu zerstören. Meine Antwort:
1. Nein, wir werden ganz bestimmt nicht kirchliche Akten für ein kirchenfeindliches Regime oder die kirchenfeindliche Hetzpresse öffnen. Schon um die Opfer zu schützen. Weltliche Prozessakten werden auch nicht veröffentlicht.
2. Nein, wir werden nicht zulassen, dass antichristliche Regime die Kirche kontrollieren.
3. Täter sind beim ersten homosexuellen Akt zu exkommunizieren, damit stehen sie dann außerhalb der Kirche.
4. Das hätte der Satan wohl gerne: Nein, die Kirche braucht Glaubenshüter mehr denn je. Die Glaubenskongregation müsste gestärkt werden. Sie ist das wichtigste Instrument des päpstlichen Lehramtes im Dienste der geoffenbarten Wahrheit! Sonst werden dem Relativismus Tür und Tor geöffnet (was die Diktatur des Relativismus natürlich will)!
5. Hier fordert BILD nicht weniger als das Ende der Heiligkeit. Wer in Gott lebt, achtet nicht auf die Bedürfnisse des Körpers. Die Regeln müssen nicht gelockert, sie müssen strenger durchgesetzt werden. Nichts braucht die Kirche weniger als Modernisierung. Und am allerwenigsten lassen wir uns von den Freimaurern vorschreiben, eine Todsünde contra naturam zu tolerieren, denn es ist die Verantwortung der Kirche, den Menschen den Weg zu Gott zu weisen - nicht in die Hölle. Darum muss die Kirche deutlicher denn je über Sünden und ihre Folgen (nämlich, wenn unbereut und ungebeichtet, die ewige Verdammnis) reden - auch wenn sie sich dadurch unbeliebt macht. Sie muss bereit sein zum Martyrium um der Wahrheit willen - so wie es unsere großen Vorbilder im Glauben erlitten, die einer ähnlich heidnischen Gesellschaft ausgesetzt waren.
6. Frauen haben Rederecht in der Kirche, nur kein Recht auf eine Weihe - ebenso wenig wie ein Mann ein Recht auf Mutterschaft hat. Gender-Gleichmacherei hat in der göttlichen Schöpfungsordnung nichts zu suchen. Da Jesus nur Männer berufen und ausgesandt hat und der Priester in personam Christi konsekriert, hat die Kirche keine andere Wahl, was Weiheämter betrifft!
7. Der Ruf, bescheiden, ja demütig zu werden, hallt zurück zu den Anklägern aus den Reihen der Welt, die sich anmaßen, Seiner Kirche Vorschriften zu machen.
8. Der Himmel ist eine Hierarchie, die von der Kirche widergespiegelt wird. Demokratie verläuft von unten nach oben, aber Kirche muss von oben nach unten verlaufen - von Gott hinunter zu uns Menschen. Der erste Demokrat der Kirchengeschichte war Luzifer. Über Glaubenswahrheiten kann nicht abgestimmt werden.
9. Jugendwahn in der Kirche? Nein Danke! Kirche profitiert von der Weisheit des Alters!
10. Die Kirche gehört Gott allein.
11. Die Rolle Pater Bergoglios während der Militärdiktatur ist längst aufgeklärt. Nach wie vor offen ist die Rolle der Stasi-Agentin "Erika" a.k.a. Angela Merkel und ihres Ehemannes, der im Vorstand des Axel-Springer-Verlages sitzt. Wann wird die Rosenholz-Akte geöffnet?
12. Noch mehr Verschwörungstheorien? Der größte Deutsche seit 1000 Jahren hat ein Recht auf Frieden, auf Vorbereitung auf seine Heimkehr zu Gott. Er hat über 500 Mißbrauchs-Priester amtsenthoben. Er hat Ex-Kardinal McCarrick und LC-Gründer Macial kaltgestellt. Er hat aufgeräumt, so weit es nur ging. Unter dieser Titanenaufgabe ist er gesundheitlich zerbrochen. Er wollte die Kirche vor einer Zeit der Führungsschwäche bewahren, die eingetreten wäre, wenn er kollabiert wäre, etwa einen weiteren Schlaganfall erlitten hätte. Dafür hat er unser aller Dank und Respekt verdient, statt widerlicher Verdächtigungen.
 
WIR WOLLEN KEINE MODERNE, OFFENE KIRCHE! WIR WOLLEN DIE KIRCHE GOTTES, NICHT DIE KIRCHE DER WELT! Und ja, die Kirche wird einen Neuanfang wagen - nach der Wiederkunft Christi, nach dem Jüngsten Gericht. Bis dahin ist es ihre Aufgabe, zu bewahren, was Er uns hinterlassen hat! Denn die Kirche gehört Christus, nicht den Menschen!“


Hesemann und sein Lehrer, der Relator des Seligsprechungsprozesses Pius XII. und renommierteste Pius-Experte der Welt, Prof. Dr. Pater Peter Gumpel, SJ, der im November 2018 95 Jahre alt wurde.


15.-20. Februar 2019: Gespräche im Vatikan

Seit elf Jahren repräsentiert Michael Hesemann in Deutschland die amerikanische "Pave the Way-Foundation" (PTWF), die sich für den interreligiösen Dialog, die Versöhnung von Juden und Katholiken und die Rehabilitation des Weltkriegs-Papstes und Judenretters Pius XII. einsetzt. So war Hesemann Mitte Februar wieder in Rom, um für PTWF eine spektakuläre Audienz mit vorzubereiten: Der US-Abgeordnete Anthony D’Urso aus New York, der Schatzmeister des Staates New York, Thomas DiNapoli, der New Yorker Top-Anwalt Michael Weinstock und PTWF-Direktor Dr. Bennett Solberg waren auf Initiative von PTWF-Präsident Gary Krupp in den Vatikan gekommen, um Papst Franziskus wichtige Dokumente zu überreichen. D’Ursos Familie stammt aus Italien und hatte im Zweiten Weltkrieg Juden versteckt, wofür sie in Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt werden soll. Solberg übergab dem Papst Faksimiles vierer wichtiger Dokumente, von denen drei die Ergebnisse von Hesemanns Recherchen in römischen Archiven waren: Die Eidesstattliche Erklärung des SS-Generals Karl Wolff, dass Hitler Befehl gegeben hatte, den Vatikan zu stürmen und den Papst nach Deutschland zu verschleppen, sollte er gegen die Judendeportationen protestieren. Den Bericht des Rektors der österreichischen Nationalkirche in Rom, Santa Maria dell’Anima, Bischof Alois Hudal, dass Pius XII. ihn durch seinen Neffen Carlo Pacelli beauftragt hatte, die Deportation der römischen Juden am 16. Oktober 1943 zu stoppen. Er wandte sich sofort an den deutschen Stadtkommandanten, General Stahel, der mit Himmler telefonierte und erreichte, dass die Razzia abgebrochen wurde. Ein weiterer Bericht Hudals, dass er im Auftrag Pius XII. von Stahel 550 unterzeichnete und abgestempelte Aushänge erbat und bekam, die römische Klöster und Ordenshäuser als „Vatikaneigentum“ auswiesen und deutschen Soldaten und SS-Männern den Zutritt untersagte (woran sich die Besatzer peinlich genau hielten). Dadurch war es dem Vatikan möglich, 4205 Juden in 235 Klöstern (und weitere im Vatikanstaat und in Castel Gandolfo) zu verstecken. Und schließlich den Tagebucheintrag der Oberin eines Augustinerinnenklosters, der bestätigte: „Der Heilige Vater wünscht, dass wir die Juden retten…“
Zudem standen Gespräche mit dem "Außenminister" des Vatikans, Erzbischof Paul Gallagher, dem Präfekten der Vatikan-Bibliothek und Archivar Seiner Heiligkeit des Papstes, Erzbischof Calaca de Mendonca, dem Archivar des vatikanischen Staatssekretariats, Dr. Johan Ickx, dem Kommandanten der päpstlichen Schweizergarde, Oberst Christoph Graf, dem Relator des Seligsprechungsprozesses Pius XII., Pater Prof. Dr. Peter Gumpel, S.J., dem Pius-Großneffen Giovanni Graf Rizzardi sowie diversen Erzbischöfen und Vatikan-Diplomaten auf dem Programm.


31. Januar 2019: Begegnung mit dem "Papa emerito"


"Es ist immer wieder eine Gnade, einem Menschen zu begegnen, der so viel Güte und Weisheit ausstrahlt", kommentierte Michael Hesemann seine jüngste Begegnung mit Benedikt XVI. Der emeritierte Papst hatte Hesemann nach Empfang seines Buches "Der Papst und der Holocaust" zu einem persönlichen Gespräch in das Kloster "Mater Ecclesiae" in den vatikanischen Garten geladen, in dem er seit seinem Rücktritt 2013 residiert.
Worüber beide während der einstündigen Begegnung sprachen, wollte Hesemann nur andeuten: "Es ging um Reaktionen auf mein Buch, aber auch um künftige Projekte. Am wichtigsten aber war mir, seinen Segen zu empfangen." 

15. Januar 2019: Gratulation an Domkapellmeister Georg Ratzinger


"Herzlichen Glückwunsch, viel Kraft und Gesundheit, vor allem aber Gottes reichen Segen zum Geburtstag, Herr Domkapellmeister" - mit diesen Worten gratulierte Hesemann dem berühmten Chorleiter und Papstbruder Prälat Dr. Georg Ratzinger zu seinem 95. Geburtstag. Gerade aus Rom zurück, von dem schon traditionellen Weihnachtsbesuch bei Papst emeritus Benedikt XVI., feierte Ratzinger in seinem Haus in Regensburg. Dort war auch 2011 der Weltbestseller "Mein Bruder, der Papst" entstanden, für den Hesemann den "Älteren der Ratzinger-Brüder" ausgiebig interviewt hatte. In Hesemanns Begleitung befand sich die international bekannte Konzertpianistin Anastassiya Dranchuk, die für Georg Ratzinger auf dem Flügel spielte. Vor einem Jahr hatte Hesemann eine Petition initiiert, um die als "Wunderkind" gefeierte Dranchuk vor der drohenden Abschiebung in ihr Geburtsland zu bewahren - mit Erfolg. Jetzt arbeitet sie an ihrem ersten Solo-Album, das im Winter 2019/20 erscheinen soll.  

6. Januar 2019: Kardinal Meisner-Ikone für Russische Gemeinde


Auf Einladung des russisch-orthodoxen Erzpriesters Dmitry Sobolevskiy von der Maria-Pokrov-Gemeinde in Düsseldorf nahm Hesemann am russisch-orthodoxen Weihnachtsgottesdienst teil. Anschließend übergab er "Vater Dmitry" ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk: Eine Ikone des heiligen Serafim von Sarov (1754-1833), eines Einsiedlers und Mystikers der russischen Kirche, die Hesemann aus dem Nachlaß des im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Erzbischofs von Köln, Joachim Kardinal Meisner (1933-2017) erworben hatte. Hesemann: "Damit soll sichergestellt werden, dass dieser große Heilige hierzulande auch weiterhin angemessen verehrt wird. Zudem soll die Ikone ein Symbol sein für die Freundschaft zwischen Katholiken und Gläubigen der russisch-orthodoxen Kirche. Ich denke, dass dies auch im Sinne des verstorbenen Erzbischofs wäre, der immer ein  Brückenbauer, ein Mann des Dialogs mit den Ostkirchen war. Möge der heilige Seraphim die Konfessionen versöhnen und alle Christen des Erzbistums Köln segnen!"


12. Dezember 2018: Franziskus empfängt Hesemann


Zehn Jahre recherchierte er in den geheimen Archiven des Vatikans, dann veröffentlichte er seine Erkenntnisse über das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte als Buch. „Der Papst und der Holocaust“ (448 S., EUR 28,--, Langen Müller Verlag), das 44. Buch des Neusser Historikers und Bestsellerautors Michael Hesemann (54), schildert detailreich und bewegend, wie Papst Pius XII. (1939-1958) von dem Massenmord der Nazis an den Juden erfuhr und unermüdlich versuchte, um jeden Preis Menschenleben zu retten. „Für zehntausende Juden besorgte der Vatikan Visa und ließ sie auf eigene Kosten nach Übersee schiffen“, erklärt Hesemann, „zudem wurden Tausende in Klöstern und sogar im Vatikanstaat versteckt. Doch die meisten Juden rettete der Papst durch diplomatische Interventionen bei Hitlers Vasallenstaaten. Mal gelang es ihm, Deportationen in die Konzentrationslager zu verhindern, in anderen Fällen erreichte er zumindest immer wieder Aufschübe. Rund 960.000 Juden verdanken dem Taktieren Pius XII. ihr Leben.“

In der Fachwelt wie in Kirchenkreisen sorgten Hesemanns Erkenntnisse für Aufsehen. Als er 2010 nachwies, dass der Pacelli-Papst schon zwei Monate nach der Pogromnacht im November 1938 um 200.000 Visa für deutsche Juden warb, wurde sogar eine Schautafel in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte von Yad Vashem bei Jerusalem ausgetauscht. „Der Inhalt Ihres Buches ist so wichtig, dass es eine weite Verbreitung verdient“, schrieb ihm kürzlich Kardinal Kurt Koch, der Beauftragte des Papstes für den Dialog mit dem Judentum, „Ich hoffe sehr, dass es Ihrem Buch gelingen wird, das Bild von Papst Pius XII. sowohl bei den Juden als auch bei Christen maßgeblich zu verändern.“

Am Mittwoch, dem 12. Dezember wurde Hesemann auf Einladung des Kurien-Erzbischofs Dr. Georg Gänswein von Papst Franziskus empfangen. Im Rahmen der wöchentlichen Generalaudienz überreichte er ihm ein Exemplar seines Buches und einen Brief. „Das ist sehr interessant. Ich danke Ihnen“, erklärte ihm der Pontifex, „bitte beten Sie für mich.“

Zweieinhalb Monate zuvor war Hesemann im portugiesischen Fatima von Dom Duarte Pio, Herzog von Braganca, mit dem „Großen Verdienstkreuz“ des portugiesischen Königshauses ausgezeichnet und zum Ritter geschlagen worden. Der portugiesische Thronanwärter Dom Duarte, zugleich Oberhaupt des portugiesischen Königshauses, hat eine ganz besondere Beziehung zu Pius XII., der 1945 sein Taufpate war. Umso herzlicher gratulierte er Hesemann zu seinen Forschungen. Im nächsten Herbst wird er mit dem Neusser Historiker eine Konferenz veranstalten, auf der internationale Experten seine Erkenntnisse diskutieren werden.
 

7. Dezember 2018: Der FAZ-Skandal: Vom Intelligenzblatt zur "Lügenpresse"


Es war einmal, in der Zeit der alten Bundesrepublik, da galt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", kurz FAZ, als deutsche Qualitätszeitung schlechthin. "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf", warb sie, und bemühte sich redlich, diesem Anspruch gerecht zu werden. Das war, als man Persönlichkeiten wie den Hitlerbiografen Joachim C. Fest oder, in jüngerer Zeit, den brillanten Frank Schirrmacher mit der FAZ assoziierte, als ein Florian Illies das Feuilleton leitete oder ein Marcel Reich-Ranicki als Kritiker brillierte. Sic transit gloria mundi! Spätestens seit der Hatz des Kardinal-Lehmann-Biografen Daniel Deckers auf den theologisch brillanten und menschlich integren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst weiß man, dass die FAZ in der Merkel-Ära vor allem eines sein will: staatstragend. Und daher kirchenkritisch und allenfalls deutsch-katholisch. Mit der Wahrheit nimmt man es dabei offensichtlich längst nicht mehr so genau.

So, als die FAZ in ihrer Ausgabe vom 7. Dezember 2018 Michael Hesemanns Neuerscheinung "Der Papst und der Holocaust" rezensierte. Genauer gesagt: Rezensieren ließ, durch Jörg Ernesti, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Augsburg, der sich schon 2017 bei der Rezension von Mark Rieblings "Die Spione des Papstes" in der FAZ als Kritiker, ja Gegner Pius XII. zu erkennen gab. Nun ist Kritik immer wichtig, sie sollte sich allerdings an den Tatsachen orientieren. Mit seiner Rezension des Hesemann-Buches aber hat Ernesti bewiesen, dass er entweder sein Rezensionsexemplar nicht sorgfältig gelesen hat oder seine Scheuklappen ihn daran hinderten, seinen Inhalt wahrzunehmen. Anders ist nicht zu erklären, dass er bereits in der Überschrift log: "Das eine Wort kam ihm nicht über die Lippen" und später frech behauptet: "Hesemann kann das Skandalon nicht aus der Welt schaffen, dass dem Papst während des gesamten Weltkriegs das Wort Juden nicht über die Lippen kam..."
Im Gegenteil, Herr Professor! Auf S. 184 ff. schildert Hesemann eine Audienz am 28.11.1941, bei der Pius XII. gleich mehrfach einem jungen Juden zurief: "Sei stolz darauf, dass Du ein Jude bist". Auf S. 219 zitiert er die bis dato unbeachtete Radioansprache des Papstes vom 1.8.1941, in deren Verlauf er erklärte: „Derzeit ereignet sich ein großer Skandal, und dieser Skandal ist die Behandlung, die die Juden erleiden: Daher möchte ich, dass sich eine freie Stimme, die Stimme eines Priesters, zum Protest erhebt. In Deutschland werden die Juden ermordet und auf brutale Weise misshandelt, weil sie Opfer sind, beraubt jeder Verteidigung. Wie kann ein Christ solche Taten hinnehmen?“ Zwar unterstellt Ernesti Hesemann darüber hinaus, sein Buch würde nichts Neues bringen, aber das hier ist neu; der Archivist des vatikanischen Staatssekretariats, Dr. Johan Ickx, hat diesen Archivfund erst am 16.-17. Februar 2017 in Rom auf einer Fachkonferenz der Öffentlichkeit präsentiert. Er übersandte Hesemann die Druckfahnen des Tagungsbandes, der erst im Herbst 2018 erschien. Damit erweist sich aber die zentrale Behauptung des Rezensenten als Unwahrheit. Dass er nicht einmal in der Lage ist, den Umfang des Buches (448 Seiten, statt, wie in der FAZ behauptet, 320 Seiten) korrekt anzugeben, disqualifiziert Ernesti als ernstzunehmenden Rezensenten.

Natürlich reagierte Hesemann sofort, indem er am selben Tag einen Leserbrief an die FAZ schrieb: 

"Sehr geehrte Damen und Herren,
Der Verfasser dieser Rezension hat offenbar mein Buch nicht gelesen, anders ist diese nicht gerade ernstzunehmende Ansammlung von Fehlinformationen nicht zu erklären.
Das fängt mit dem Umfang des Buches an - 320 Seiten laut FAZ, 448 Seiten in Wirklichkeit - und endet mit der Behauptung, Pius XII. habe das Wort "Jude" während des Krieges nicht in den Mund genommen. Dabei beschreibe ich doch auf S. 184 ff. eine Audienz am 28.11.1941, bei der Pius XII. gleich mehrfach einem jungen Juden zurief: "Sei stolz darauf, dass Du ein Jude bist". Auf S. 219 zitiere ich schließlich die bis dato unbeachtete Radioansprache des Papstes vom 1.8.1941: "In Deutschland werden die Juden ermordet und auf brutale Weise misshandelt..." In beiden Fällen war es eben kein "belangloses Pauluszitat", sondern, zumindest im zweiten Fall, eben jene Verurteilung des Holocaust, die man bislang immer abgestritten hat.
Ernesti übersieht weiter, dass mein Buch buchstäblich hunderte Akten aus den Vatikanarchiven aus dem Pontifkat Pius XII. zitiert, die mittlerweile zugänglich sind. Die Entdeckung, dass Pacelli bereits 1939 von den Regierungen der freien Welt Visa für 200.000 deutsche Juden erbat, ignoriert Ernesti ebenso wie die 40 dokumentierten diplomatischen Interventionen des Heiligen Stuhls mit dem Ziel, Deportationen von Juden meist aus den Vasallenstaaten Hitlers zu stoppen. Wo, bittesehr, sind diese bereits dargestellt worden? Dokumente aus alliierten Archiven werden von mir sehr wohl rezipiert und zitiert, wenn auch der Schwerpunkt des Buches, wie sein Untertitel verrät, "Pius XII. und die geheimen Akten im Vatikan" sein sollte. Warum soll ich einen Ventresca kolportieren, wenn mir tausende Seiten zumindest in Deutschland bislang unveröffentlichten Materials zur Verfügung stehen?
Wenn Ernesti pauschal von "den Pius-Päpsten" und ihrer angeblich negativen Einstellung zu den Juden schreibt, differenziert er erschreckend wenig. Sie mag für Pius IX. und Pius X. gelten, doch schon Pius XI. kämpfte gegen die Rassengesetze Mussolinis und erklärte öffentlich: "Spirituell sind wir alle Semiten". Pacelli wurde schon 1930 von diversen zionistischen Quellen "Sympathie für die Sache des Zionismus" und eine "Bereitschaft, sich für jüdische Belange einzusetzen" bescheinigt, weshalb seine Wahl zum Papst 1939 von jüdischer Seite einhellig begrüßt wurde. Die zahlreichen jüdischen Dankesbekundungen aus der Zeit nach 1945 belegen, dass man von ihm keineswegs enttäuscht worden war. Erst die KGB-Kampagne von 1962/3, aus der "Der Stellvertreter" hervorging, verdunkelte dieses Bild, leider bis auf den heutigen Tag."

Die FAZ weigerte sich, den Brief abzudrucken. Stattdessen schrieb Feuilleton-Vizechef Hannes Hintermeier am 19.12.2018 an Hesemann:

"Sehr geehrter Herr Dr. Hesemann,
 
ich habe aufgrund Ihres Leserbriefes unseren Rezensenten Prof.Dr.Dr. Jörg Ernesti um eine Stellungnahme
zu den in Ihrem Schreiben erhobenen Vorwürfen gebeten.
Diese liegt mir mittlerweile vor, und ich habe keinen Anlass, an Herrn Ernestis Darstellung zu zweifeln:
Herr Ernesti rezensiert  seit einigen Jahren für uns, durch Unsachlichkeit ist er bislang nicht aufgefallen –
ganz im Gegenteil.
Da wir direkte Reaktionen von Autoren auf Besprechungen nicht abdrucken, schlage ich vor,
Sie setzen sich direkt mit dem Rezensenten auseinander. Herr Ernesti hat seine Gesprächsbereitschaft
Bereits signalisiert. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Schritt  zur Klärung beitragen wird."

Hesemann erwiderte umgehend:

"Sehr geehrter Herr Hintermeier,
es geht mir nicht um die augenscheinliche Unsachlichkeit seiner Rezension, sondern um Unwahrheiten, die Ihr Prof. Dr.Dr. Ernesti in dieser behauptet. Ganz offensichtlich hat er das Buch nur sehr oberflächlich gelesen, wenn er es denn je vollständig gelesen hat. Wenn ihm ein Fehldruck vorlag, hätte ihm das zumindest auffallen müssen.
Die Anzahl der Seiten eines Buches kann man bekanntlich der Nummerierung der letzten Seite entnehmen. Ich versichere Ihnen, dass bei dem mir vorliegenden Exemplar alle Seiten korrekt paginiert wurden. Auch ein Tippfehler ist auszuschließen und daher ist mir schlichtweg rätselhaft, wie er von 320 Seiten schreiben kann, wo es nun mal 448 sind. Selbst wenn er den Apparat, also die 984 Endnoten nicht mitzählt, hätte das Buch 404 Seiten reine Textseiten.
Die Behauptung, Pius XII. sei das Wort "Jude" während des Krieges nicht über den Mund gekommen, die sogar als Schlagzeile benutzt wurde, ist nachweisbar falsch und wird durch das Buch widerlegt. Der Zweite Weltkrieg dauerte bekanntlich von 1939 bis 1945. Auf S. 184 ff. schildere ich eine öffentliche Audienz Pius XII. am 28.11.1941, in deren Verlauf der Papst gleich zweimal einem jungen Juden zurief: "Sei stolz darauf, dass Du ein Jude bist." (Zitat: S. 190) Sicher mag Ernesti das für irrelevant halten, da es doch nur einen Einzelnen betraf, obwohl schon dieser Tatbestand seine Behauptung, "dass dem Papst während des gesamten Weltkriegs das Wort Jude nicht über die Lippen kam" widerlegt. Aber wenn er weiter gelesen hätte, wäre ihm nicht entgangen, dass auch ein öffentlicher Protest stattgefunden hat, im Rahmen einer Radioansprache auf Radio Vatikan, also der größtmöglichen Öffentlichkeit, die Pius XII. in der damaligen Zeit kreieren konnte, am 1. August 1941, als er erklärte: „Derzeit ereignet sich ein großer Skandal, und dieser Skandal ist die Behandlung, die die Juden erleiden: Daher möchte ich, dass sich eine freie Stimme, die Stimme eines Priesters, zum Protest erhebt. In Deutschland werden die Juden ermordet und auf brutale Weise misshandelt, weil sie Opfer sind, beraubt jeder Verteidigung. Wie kann ein Christ solche Taten hinnehmen?“ Das Zitat hätte Ernesti auf S. 219 gefunden. Zwar unterstellt er mir, mein Buch würde nichts Neues bringen, aber das hier ist neu; der Archivist des vatikanischen Staatssekretariats, Dr. Johan Ickx, hat diesen Archivfund erst am 16.-17. Februar 2017 in Rom auf einer Fachkonferenz der Öffentlichkeit präsentiert. Mir übersandte er die Druckfahnen des Tagungsbandes, der erst vor ein paar Wochen erschien. Damit erweist sich aber die Titelzeile seiner Rezension, "Das eine Wort kam ihm nicht über die Lippen", als Unwahrheit.
Mit der gleichen Gründlichkeit, mit der Ernesti mein Buch offenbar (nicht) gelesen hat, mag er nachweisen, welche der 350 von mir zitierten (und zum Teil auch vollständig wiedergegebenen) Dokumente aus den vatikanischen Archiven, um die es in meinem Buch ging, bereits in anderen Sachbüchern deutscher oder englischer Sprache zitiert wurden. Da er das nicht kann, ist auch diese Behauptung seinerseits unwahr."

Um zumindest dem Weltkriegspapst Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und der antiklerikalen Lügenflut Einhalt zu gebieten, machte Hesemann daraufhin von seinem nach § 10 des Hessischen Pressegesetzes garantierten Recht auf eine Gegendarstellung gebrauch:

"Gegendarstellungsverlangen
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
die von Ihnen verlegte Tageszeitung „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) enthält in der Ausgabe vom 07.12.2018 im Feuilleton auf S. 12 unter der Überschrift „Das eine Wort kam ihm nicht über die Lippen“ eine Rezension über mein Buch „Der Papst und der Holocaust“.
 
In dieser Rezension werden u.a. folgende Äußerungen verbreitet:
 
1.         „Das eine Wort kam ihm nicht über die Lippen“
 
„Hesemann kann das Skandalon nicht aus der Welt schaffen, dass dem Papst während des gesamten Weltkriegs das Wort Juden nicht über die Lippen kam (sieht man von einem belanglosen Pauluszitat ab).“
 
Dies ist falsch: In dem Buch weise ich nach, dass Pius XII. 1941 bei mindestens zwei Gelegenheiten von „Juden“ sprach und deutlich gegen ihre Ermordung und Misshandlung durch die Nazis protestierte.
 
2.         „Für die Zeit des Krieges kann der Autor nur wenige Quellen anführen, die nicht schon andernorts in der Fachliteratur zitiert werden.“
 
Auch das ist falsch: Wahr ist vielmehr, dass die meisten der von mir angeführten 330 Quellen bislang noch nicht in der Fachliteratur zitiert wurden.
 
3.         Langen Müller Verlag, Stuttgart 2018. 320 S. geb., 28,-
 
Zudem wird auch der Umfang meines Buches falsch angegeben: Das Buch hat 448 Seiten.
 
Düsseldorf, 20. Dezember 2018
Dr. h.c. Michael Hesemann"

Wird die FAZ reagieren? Warten wir es ab. Wenn nicht, wird Hesemann rechtliche Schritte ergreifen.
 

25. November 2018: Hesemann-Tournee erfolgreich beendet


Acht Vorträge in sieben Städten Nordrhein-Westfalens, Bayerns, Tirols und Oberösterreich mit insgesamt 1100 Besuchern sind die stolze Bilanz der diesjährigen November-Tournee des Düsseldorfer Historikers und Bestseller-Autoren Michael Hesemann. Die Lesereise nahm ihren Anfang am 7. November mit einer Buchpräsentation in München Schwabing. Moderiert von dem bekannten TV-Moderator und Autor Michael Ragg stellte Hesemann vor etwa 200 Gästen sein neues Werk "Der Papst und der Holocaust" vor. Ein umfangreicher Bericht über das Ereignis erschien in der Münchner Kirchenzeitung vom 15.11.2018. Die anderen Vorträge Hesemanns in Overath, Asten, Grein, Zell am Ziller, St. Johann und Neumarkt behandelten die Themen "Eucharistische Wunder", "Die Dunkelmänner", "Das Turiner Grabtuch", "Das Fatima-Jahrhundert" und "Die christlichen Wurzeln Europas".


24. November 2018: Hesemann präsentiert Fatima-Film

Für den neuen Geschäftsführer des päpstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka, war es am 24. November 2018 eine große Freude, 350 Freunde und Wohltäter des Hilfswerks im „Rio-Filmpalast“ in München zur Präsentation des Filmes „Fatima - das letzte Geheimnis" begrüßen zu können. Ripka sieht in den Christenverfolgungen dieser Zeit und in der abnehmenden Glaubenspraxis in der westlichen Welt ein Anzeichen dafür, dass der Ruf Unserer Lieben Frau von Fatima nach Gebet, Umkehr und Sühne für die Beleidigungen gegenüber Gott aktuell ist. In seiner Begrüßung wies er auch darauf hin, dass die Pater-Werenfried-van-Straaten-Stiftung die deutsche Synchronisation des Films unterstützt hat.

Auf Einladung von KIRCHE IN NOT führte der Historiker Dr. h. c. Michael Hesemann vor dem Film in die Botschaft von Fatima ein. Er erinnerte an Papst Pius XII., der in den Erscheinungen von Fatima im Jahr 1917 den eindrucksvollsten Eingriff Gottes in die Geschichte seit der Zeit des Herrn sah. Hesemann legte dar, warum Ort und Zeitpunkt der Erscheinungen „perfekt gewählt waren und die Handschrift der göttlichen Vorsehung tragen“. Den drei Seherkindern von Fatima, Lucia, Francisco und Jacinta, habe die Gottesmutter nichts weniger als den Schlüssel anvertraut, um die Geschichte der Menschheit zu verändern. „Dieser Schlüssel aber besteht aus drei Elementen: Gebet, Sühne, Weihe“, betonte Hesemann.Gegen Ende seines Vortrags ordnete der Historiker die Marienerscheinungen von 1917 heilsgeschichtlich ein: „Fatima widerlegt die größte Lüge unserer Zeit, die Einbildung, dass Gott nicht existiere.“

Diese verleite die Menschen dazu, Gottes Gesetze zu ignorieren und zu leben, als ob es weder Gut noch Böse, weder richtig noch falsch gäbe, so Hesemann. Der Film zeigt die weltgeschichtlichen Auswirkungen der Ereignisse im Jahr 1917, als im kleinen portugiesischen Dorf Fatima die Gottesmutter Maria drei Hirtenkindern erschien. Dass die Erscheinungen in Fatima aber nicht nur weltgeschichtlich, sondern auch eine individuelle Bedeutung haben, zeigt die Rahmenhandlung des Films von Regisseur Andrés Garrigó. (KiN)


Hesemann mit dem Archivar und Bibliothekar Seiner Heiligkeit, des Papstes, Erzbischof Calaca de Mendonca

29. Oktober 2018: Hesemann im Vatikan


In seiner Funktion als deutscher Repräsentant der internationalen "Pave the Way Foundation" nahm
Hesemann an diversen Besprechungen des Stiftungsvorstandes im Vatikan teil. Dazu zählten ein ausgiebiges Gespräch mit dem "Außenminister des Vatikans", Erzbischof Paul Gallagher, und eine Besprechung mit dem neuen Bibliothekar und Archivar Seiner Heiligkeit und Verwalter der Vatikanbibliothek "(Biblioteca Apostolica Vaticana), dem portugiesischen Erzbischof José Tolentino Calaca de Mendonca. Die Stiftung, der die BAV ihren wertvollsten Schatz, den Bodmer-Papyrus (eine Handschrift der Evangelien nach Lukas und Johannes aus dem späten 2. Jh.) verdankt, betonte ihren Wunsch nach einer Fortsetzung der guten Zusammenarbeit. Erst im September waren PTWF-Gründer Gary und Meredith Krupp in New York von Erzbischof Gallagher im Auftrag von Papst Franziskus in den Rang eines Großkreuz-Ritters und einer Großkreuz-Dame des St. Gregorius-Ordens erhoben worden. 

18. Oktober 2018: "Michael Hesemann: Pius XII. hatte Mord an Hitler abgesegnet"

Der bekannte katholische Historiker Michael Hesemann („Der Papst und der Holocaust“) berichtet im Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ von seinen neuen Forschungseinblicken zu Papst Pius XII.

Hesemann sagt: „Wir können jetzt nachweisen, dass er nicht nur in drei öffentlichen Ansprachen gegen die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden protestierte, sondern dass er auch in mindestens 40 diplomatischen Interventionen immer wieder versuchte, Deportationen zu verhindern oder zumindest aufzuschieben. Diese richteten sich zumeist an Hitlers Vasallenstaaten und waren teilweise sogar erfolgreich. So verzichteten Bulgarien und Rumänien ganz auf eine Auslieferung der Juden an die Nazis, in Ungarn ließ der Staatschef die Deportationen einstellen. Insgesamt verdanken mindestens 960000 Juden diesen Bemühungen ihr Leben!“

Retten, nicht reden

„Die öffentlichen Proteste“, so Hesemann weiter, „endeten erst im September 1943, als die Deutschen Italien besetzten und der Vatikan umzingelt war. Pius XII. wusste, dass Hitler den Befehl erteilt hatte, den Vatikan zu stürmen und ihn nach Deutschland zu verschleppen, sollte er noch einmal gegen die Verfolgung der Juden protestieren. Sein eigenes Leben war ihm egal, er hatte seine Rücktrittserklärung vorbereitet. Aber ohne einen funktionierenden Vatikan hätte er den Juden nicht mehr helfen können. Damals versteckte er im Vatikan und in über 200 römischen Klöstern um die 4500 Juden. Die Deutschen duldeten das stillschweigend, solange der Papst nach außen hin Schweigen bewahrte. So wurde 'Retten, nicht reden' zu seinem Motto. Stilles, effizientes Handeln statt lauter Proteste, die nur zur Eskalation und zu Vergeltungsaktionen der Nazis geführt hätten.“

Pius-Pakt mit Hitler? Fakenews!

Dass Pius einen Pakt mit Hitler gegen den Kommunismus geschlossen habe, wie oft kolportiert wird, bezeichnet Hesemann als Fakenews. Schon im Oktober 1939 habe Papst Pius XII. „eingewilligt, mit dem deutschen Widerstand zusammenzuarbeiten und später die Pläne, Hitler zu ermorden, abgesegnet. Leider scheiterten sie. Aber bitte, wann hat es das zuletzt gegeben, dass ein Papst an einer Verschwörung zum Sturz eines Staatsoberhauptes beteiligt war – zuletzt in der Renaissance! Das zeigt doch überdeutlich, für wie gefährlich er Hitler hielt, dass er sogar einen Tyrannenmord in Kauf nahm.“



Vor 500 Teilnehmern sprach Hesemann in der Salzburger Residenz auf einem Ärztekongress über die Papst-Enzyklika "Humanae vitae"

13. Oktober 2018: Paul VI. in Salzburg


Vom 12.-14. Oktober tagte in der Salzburger Residenz der Jubiläumskongress 250 Jahre Humanae Vitae" der Europäischen Ärzteaktion e.V. in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Salzburg, der Europäischen Bürgerinitiative zum Schutz des Lebens, der Vereinigung katholischer Ärzte der Schweiz und diverser anderer Mediziner- und Lebensschützerverbände. Zu den hochkarätigen Referenten zählten der Salzburger Erzbischof und Primas Germaniae, Msgr. Franz Lackner, der mutige Churer Bischof Vitus Huonder, der legendäre Weihbischof Andreas Laun, Gabriele Kuby und Michael Hesemann. Hesemann stellte den Autor der Enzyklika, Paul VI. in einem biografischen Referat umfangreich dar und verteidigte die Entscheidung von Papst Franziskus, den Montini-Papst einen Tag später in Rom heilig zu sprechen. Hesemann über Paul VI.: "Jedenfalls stand er für Kontinuität, nicht für einen Bruch in der Kirchengeschichte. Er war nur so lange populär, wie er tat, was die Welt erstaunte – als er ihr den Gehorsam versagte, kreuzigte sie ihn. Vielleicht war er zu intellektuell, um herzlich zu wirken und zu schöngeistig, um als Intellektueller zu gelten, zu konservativ in Glaubensfragen, um als Mann der Moderne durchzugehen und zu verliebt in die Begegnung mit dem Zeitgeist und seiner Ästhetik, um das Etikett „Konservativer“ zu tragen. Er saß zwischen allen Stühlen und trotzdem fest auf dem Heiligen Stuhl. So muss er als der große Missverstandene gelten."

3. Oktober 2018: "Der Papst und der Holocaust": Hesemann veröffentlicht Studie über Pius XII.


Pünktlich zum 60. Todestag von Papst Pius XII. (1939-1958) veröffentlichte Michael Hesemann am 3. Oktober 2018 im Verlag Langen Müller sein 44. Buch, "Der Papst und der Holocaust". Darin weist Hesemann erstmals anhand von 350 zum Teil bislang nie in einem Sachbuch veröffentlichten Dokumenten aus den Archiven des Vatikans nach, dass Pius XII. tatsächlich alles Menschenmögliche versuchte, um Juden vor dem Holocaust zu retten.
* Bereits 1939, nur zwei Monate nach der "Kristallnacht", bemühte er sich um Visa für alle 200.000 deutschen Juden - und scheiterte an der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Regierungen.
* Als er von den ersten Massenmorden der Nazis erfuhr, 1941, protestierte er feurig: "In Deutschland werden die Juden ermordet ... das ist ein Skandal!" Erst als der Protest der holländischen Bischöfe zu Vergeltungsmaßnahmen gegen Konvertiten und katholische Einrichtungen führten, wurde er vorsichtiger, als er 1942 und 1943 erneut öffentlich die Verbrechen der Nazis anprangerte.
* Gleichzeitig bemühte er sich in über 40 diplomatischen Interventionen im Deutschen Reich wie in Hitlers Vasallenstaaten Vichy-Frankreich, Italien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Rumänien und Bulgarien die Deportationen der Juden entweder ganz zu verhindern oder zumindest aufzuschieben.
* Während des gesamten Krieges kollaborierte der Papst mit dem deutschen Widerstand und segnete seine Umsturzpläne ab.
* Als die Nazis 1943/44 Rom besetzten, versteckte er tausende Juden in römischen Klöstern und im Vatikan.

Einige Stimmen zu Hesemanns Buch:

TAGESPOST, Rezension durch den Vatikanexperten Ulrich Nersinger, 28.11.2018:
"Der Autor präsentiert dem Leser eine verständlich und spannend verfasste Publikation, die eine große Sachkenntnis aufzeigt, eine enorme in den Archiven geleistete Fleißarbeit bezeugt und sich als nützlicher Beitrag zum Seligsprechungsverfahren erweist."

Kardinal Kurt Koch: "Mit Pater Gumpel hoffe auch ich, dass bald auch eine englische Ausgabe vorliegen wird. Denn der Inhalt Ihres Buches ist so wichtig, dass er eine weite Verbreitung verdient. Ich hoffe sehr, dass es Ihrem Buch gelingen wird, das Bild von Papst Pius XII. sowohl bei Juden als auch bei Christen maßgeblich zu verändern."

Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst: "Das Buch ist in jeder Hinsicht aufgrund ihrer so profunden Recherchen und Studien ein großer Gewinn und trägt hoffentlich auch wesentlich dazu bei, das von Ideologen bewusst beschädigte Bild dieses großen Papstes im rechten Licht erscheinen zu lassen.
Die Weise, wie Sie Quellen auftun und einarbeiten und auch die vielen abgelichteten Dokumente, die Sie aufgetan haben, zeigen die Präzision ihrer Arbeit. Durch die Lektüre Ihres Buches habe ich so vieles dazugelernt."


SKH Dom Duarte Pio, Herzog von Braganca mit S.E. Dom Manuel Antonio Mendes dos Santos, Bischof von Sao Tomé e Principe verliehen Hesemann die Ritterwürde und zeichneten ihn mit dem Verdienstorden des portugiesischen Königshauses aus.

28. September 2018: Hesemann von Portugals Thronanwärter zum Ritter geschlagen


Große Ehrung für Hesemann in Portugal. In Anerkennung seiner Verdienste um die Erforschung und Verehrung christlicher Reliquien, seines Einsatzes für die Botschaft von Fatima speziell im Fatima-Jubiläumsjahr 2017 und seiner Forschungen über Papst Pius XII. haben S.K.H. Dom Duarte III. Pio, Herzog von Braganca und S.E. Dom Manuel Antonio Mendes dos Santos, Bischof von Sao Tomé e Principe, in Anwesenheit S.M., des Königs von Ruanda, Yuhi VI. und S.K.H., des Prinzen von Hawaii, Noa de Guair, sowie Vertretern des Hochadels und der Ritterschaft aus ganz Europa und der Neuen Welt (darunter Herzog Diego de Vargas Machuca und Prinz Maurizio Gonzaga) den Düsseldorfer Historiker in Fatima und Santiago de Compostela zum Ritter geschlagen und mit dem Großkreuz in Gold am Bande, dem höchsten Verdienstorden des portugiesischen Königshauses, ausgezeichnet.

Dom Duarte III. (geb. 1945 in Bern) ist seit dem Tod seines Vaters Dom Duarte Nuno 1976 Chef des königlichen Hauses Braganca und Thronprätendant von Portugal. Seit die portugiesische Regierung 1952 die Verbannung der königlichen Familie aufgehoben hat, lebt er wieder in einem Gut seiner Familie in Sintra nördlich von Lissabon. Zu seiner Hochzeit 1995 reiste der gesamte europäische Hochadel an. Für seinen Einsatz für die Unabhängigkeit der ehemaligen portugiesischen Provinzen und seine Verdienste um die europäische Einigung wurde er am 29.9.2018 durch IKKH Erzherzogin Monika von Habsburg, die zweitälteste Tochter SKKH Otto von Habsburg, in Beisein von SKKH Erzherzog Josef Karl von Habsburg, mit dem internationalen Otto-von-Habsburg-Preis geehrt. Mit Hesemann verbindet Dom Duarte seine Liebe zu Papst Pius XII., der 1945 sein Taufpate war und dem er seinen zweiten Vornamen ("Pio") verdankt.

Hesemanns Ehrung fand im Rahmen der jährlichen Wallfahrt des portugiesischen St. Michaelsordens - dem Hausorden des Hauses Braganca - von Fatima nach Santiago de Compostela statt. So nahm er an der jährlichen Konferenz des Prester-John-Instituts im Domus Pacis in Fatima und an der Einweihung der Kapelle der Königlichen Lipsanothek - der Reliquiensammlung des Hauses Braganca - in der Burg Ourem oberhalb von Fatima teil. In Porto begleitete Hesemann den Herzog bei einer Kranzniederlegung zu Ehren der Gefallenen des 1. Weltkriegs, dessen Ende sich 2018 zum 100. Mal jährte. Ebenfalls in Porto war Hesemann zu der Verleihung des Otto-von-Habsburg-Preises an Dom Duarte III. eingeladen. 

Bei einem Festmahl in den Räumen der Burg Ourem fand die Verleihung des "Großkreuzes in Gold am Bande", des Verdienstordens des portugiesischen Königshauses durch den Herzog von Braganca an Hesemann statt. Zudem ehrte der Bischof von Sao Tomé e Principe, Dom Manuel Antonio Mendes dos Santos, Hesemann mit dem Großkreuz des Ordens des Heiligen Apostels Thomas (Gra-Cruz da Ordem de Sao Tomé Apostolo), seinem diözesanen Verdienstorden. 

Zum Abschluss der dreitägigen Wallfahrt, am 30. September 2018, nahm die königliche Gesellschaft an einem Pontifikalamt in der Kathedrale von Santiago de Compostela teil, das Bischof dos Santos zelebrierte. Anschließend wurden Hesemann und vier weitere verdiente Persönlichkeiten im Festsaal des "Palastes der Domherren" von Dom Duarte im Beisein von Bischof dos Santos feierlich zum Großkreuz-Ritter des Königlichen Ordens des Flügels des Heiligen Michael (Gra-Cruz Honorario da Real Ordem de Sao Miguel da Ala) geschlagen. Auf die Investitur folgte ein Festbankett im Bankettsaal des Erzbischofs von Santiago de Compostela.

Der St. Michaels-Orden ist der Hausorden des Hauses Braganca. Anlass zu seiner Gründung war der Sieg von König Alfons I. im Jahre 1147 bei Santarem über die muslimischen Mauren. Der Legende nach hatte der Erzengel Michael in das Kampfgeschehen eingegriffen, als sein geflügelter Arm mit dem Schwert am Himmel erschien. Tatsächlich war es wohl der Halleysche Komet oder ein noch beeindruckenderer Schweifstern gewesen. Jedenfalls wurde der Orden von Papst Alexander III. genehmigt und dem Abt von Alcobaca unterstellt. Die ersten Ritter, die mit ihm ausgezeichnet wurden, waren Jakobsritter (Santiago-Ritter), die auch die Leibgarde des Königs bildeten - daher die enge Bindung an Santiago de Compostela. 1630 hatten die Zisterzienser noch einmal bestätigt, dass der Orden dem Abt von Alcobaça unterstehe und dass der König von Portugal das Amt des Großmeisters bekleidet. 1848 gründete König Miguel I. von Portugal mit Erlaubnis der Päpste Gregor XVI. und Pius IX. den Orden vom Flügel des Heiligen Michael neu. 1986 bestätigten der Heilige Stuhl und die portugiesische Republik, dass Dom Duarte III. Pio, Herzog von Braganca, der direkte Nachkomme von König Miguel I. und legitime Großmeister des Ordens ist.

Gratulierten Hesemann zum Ritterschlag: SM König Yuhi VI. von Ruanda; SKH Prinz Noa DeGuair von Hawaii und Elizabeth Keka'aniauokalani Moreno von der königlichen Familie Hawaiis.



Hesemann mit S.E. Jan Piotrowski, Bischof von Kielce, Msgr. Dr. Wincenty Putlik, Direktor des Museums von Pelplin bei Gdansk und dem Bürgermeister von Miechów, Dariusz Marczewski.; Hesemann mit Com.Stanislaw Osmenda vom polnischen Kapitel der Grabesritter und Msgr. Dr. Jerzy Bielecki

15. September 2018: Bei den Grabesrittern von Miechow


Miechow ist eine kleine Stadt, ca. 40 Minuten nördlich von Krakau - und Polens "Klein-Jerusalem". Nur 64 Jahre nach der Befreiung von Jerusalem durch die Kreuzritter, 1163, gründete hier ein polnischer Fürst, Jaczka von Miechow (auch: Jaczka von Köpenick), der große Widersacher Albrechts des Bären, ein Kloster. Jaczka hatte sich 1162 auf Pilgerfahrt ins Heilige Land begeben und war dort offenbar hoch geehrt worden. Jedenfalls kehrte er im nächsten Jahr mit einer Gruppe der "Chorherren vom Heiligen Grab zu Jerusalem" nach Polen zurück, denen er das Kloster Miechow stiftete. Der Chorherrenstift wurde in den folgenden Jahrzehnten mit umfangreichem Besitz durch mehrere Klöster, Stifte und Personen ausgestattet. Es blieb das Hauptkloster des Ordens bis 1335, als es sich dem Kloster Zderaz bei Prag unterstellte. Auch nach der Reformation blieb es bestehen und wurde erst 1819 als letztes Kloster des Ordens der Chorherren vom heiligen Grab in Polen geschlossen. 
Ab 1230 war das heutige Kloster im romanischen Stil errichtet worden. In seinem Zentrum, in einer Seitenkapelle des Kreuzweges, befindet sich seit 1530 eine originalgetreue Kopie des Heiligen Grabes in der Grabeskirche zu Jerusalem, errichtet auf Erde, die eigens von Jerusalem nach Polen gebracht worden war. Zudem wurde ein Stein vom Heiligen Grab in die Westseite der Kapelle eingebaut. Als der Päpstliche Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, den Papst Pius IX. 1868 neu gründete, auch in Polen aktiv wurde, lag eine Anknüpfung an die über 800jährige Tradition von Miechow auf der Hand. So ist das Kloster heute das spirituelle und administrative Zentrum der polnischen Grabesritter. Sie treffen sich in regelmäßigen Abständen zu den "Miechower Jerusalem-Tagen", deren V. zum Fest der Kreuzerhöhung, vom 14.-16. September 2018 begangen wurde.
Zum Festvortrag hatte man den deutschen Historiker Dr. h.c. Michael Hesemann, dessen Bücher auch in Polen Bestseller sind, eingeladen. Ein weiterer Ehrengast war der Vikar der Custodia Terra Santa, der Franziskanerpater 
Dr. Dobromi%u0142 Jasztal. Hesemanns einstündiger Vortrag "Auf den Spuren des Jesus von Nazareth: Die zehn bedeutendsten Entdeckungen der neutestamentlichen Archäologie im Heiligen Land" faszinierte die ca. 300 Teilnehmer des polnischen Rittertreffens und ihre Gäste. Anschließend überreichte der Organisator der "Miechower Jerusalemtage", der Bauunternehmer Stanislaw Osmenda, Hesemann die Teilnehmerurkunde und lud ihn ein, sich im Goldenen Buch des Heiligtums einzutragen. Am gemeinsamen Abendessen unter Vorsitz Seiner Exzellenz, des Bischofs von Kielce, Msgr. Jan Piotrowski, Bischof von Kielce auch die Ministerin Beata Kempa, der Bürgermeister der Stadt Miechów, Dariusz Marczewski, und Leonard Mazurowiec vom Ministerium für Bildung, Kultur und Sport teil. In seiner Tischrede lobte Hesemann die Politik der nationalkonservativen polnischen Regierung, die "begriffen habe, dass Europa nur dann stark sein kann, wenn es zu seinen christlichen Wurzeln, seiner christlichen Identität steht. Ein Baum ohne Wurzeln stirbt ab, ein Baum mit flachen Wurzeln kippt beim leisesten Sturm um. Ähnlich ist es beim Menschen. Ein Mensch, der seine Identität nicht kennt oder wahrhaben will, ist - jeder Psychologe, jeder Psychiater wird es bestätigen - psychisch krank. Doch genau in diesem Zustand sind breite Kreise des Westens: Sie wissen nicht mehr, wer sie sind. Sie haben ihre christlichen Wurzeln vergessen oder verleumden sie. Umso beruhigender, ja beglückender ist, dass Polen sie wieder entdeckt hat und treu zu ihnen steht: ein Land mit tiefen Wurzeln ist ein gesundes Land. Gott segne Ihr großes, polnisches Vaterland!" Die Jerusalem-Tage wurden am Sonntag mit einem feierlichen Pontifikalamt und einer beeindruckenden Prozession der Grabesritter durch die Stadt abgeschlossen.



22. August 2018: Mit Bischof Damian im Vatikan


Im Juni feierte sein Kloster in Brenkhausen sein 25. Gründungsjubiläum und Vertreter von Politik, Kirche und Kultur kamen, um zu gratulieren: CDU-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder und Ex-Minister Klaus Töpfer, Erzbischof Hans-Josef Becker, Bischof Dr. Feige und Bischof Dr. Mussinghoff, Vertreter des Europarlamentes, des Bundes- und Landtages, der evangelischen und syrisch-orthodoxen Kirche. Jetzt ehrte man auch in Rom das ökumenische Engagement des koptisch-orthodoxen Generalbischofs für Norddeutschland und Abtes von Brenkhausen, Anba Damian. Am letzten Mittwoch wurde er vor 40.000 Pilgern in der Audienzhalle des Vatikans von Papst Franziskus persönlich empfangen. Michael Hesemann, den seit seinen Arbeiten an "Jesus in Ägypten" eine treue Freundschaft mit Bischof Damian verbindet, hatte die Begegnung mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche arrangiert.
„Ein junger Offizier der Schweizergarde begrüßte mich und führte mich in den vordersten Teil der Halle“, erzählt Anba Damian noch immer sichtlich bewegt. „Dort übergab er mich an einen päpstlichen Kammerherrn, der mich zu meinem Platz führte – nicht, wie ich gedacht habe, in die erste Reihe zu jenen, die den Papst am Ende kurz treffen sollten, auch nicht auf die Plätze neben ihm, die katholischen Bischöfen vorbehalten sind, sondern auf einen zentralen Sitz an vorderster Front, direkt gegenüber dem Thron des Papstes, dem absoluten Ehrenplatz also. Ich fragte mehrfach nach, ob das denn so richtig sei, doch man beruhigte mich: Man wollte mir als Vertreter einer Schwesterkirche auf besondere Weise die brüderliche Liebe des Papstes bekunden.“
Pünktlich um 9.30 Uhr morgens betrat der Papst die Audienzhalle und wurde jubelnd begrüßt. Nachdem er den Mittelgang passiert, dutzende Kinder gesegnet und geküsst hatte und tausende Selfies geschossen wurden, erblickte Franziskus den koptischen Bischof und ging direkt, mit breitem Lächeln, auf ihn zu. „Es war eine herzliche Begrüßung, als seien wir Brüder, die lange voneinander getrennt waren. Er umarmte mich, wir sprachen miteinander auf Deutsch, das er sehr gut verstand. Ich erzählte ihm von unserem Kloster und lud ihn ein, uns in Höxter zu besuchen. ‚Wir werden sehen‘, erwiderte Franziskus“ laut Anba Damian. Bis dahin aber hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche noch eine Bitte an den Bischof von der Weser: „Beten Sie für mich, ganz besonders in dieser schweren Zeit!“ Anschließend überreichte der schwarzgekleidete Bischof dem Mann in Weiß eine kostbare koptische Ikone von der Geburt Christi. „Ist die wirklich für mich?“, fragte Franziskus, offensichtlich beeindruckt von dem kostbaren Geschenk. „Die spontane Herzlichkeit und Volksnähe des Papstes waren ein echter Segen“, resümierte Anba Damian, „ich fühle, dass dieser Mann der katholischen Kirche gut tut.“
Am Nachmittag führte Hesemann den Bischof aus Höxter durch die Ausgrabungen unter dem Petersdom und zum historischen Petrusgrab. „Durch eine Öffnung in einer Mauer konnte ich die Gebeine des heiligen Petrus sehen, die man in Plexiglaskästen gelegt hat“, erzählt Bischof Damian. „Das war eine bewegende Begegnung mit dem Ursprung unserer Kirchen. Petrus hat Markus nach Alexandria geschickt, wo dieser unsere Kirche begründete. Unser koptischer Papst ist der Nachfolger des heiligen Markus. Am Vormittag hatte ich den Nachfolger Petri getroffen. Gab es ein schöneres Symbol für die tiefe Einheit unserer Kirche jenseits aller äußeren Trennung?“
Am nächsten Morgen konferierten Bischof Damian und Hesemann mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch: „Kardinal Koch empfing mich mit großer Herzlichkeit. Wir sprachen eine Stunde lang in großer Offenheit über die Lage der christlichen Minderheit in Ägypten. Was für ein kluger, bescheidener Mann, der im Auftrag des Papstes den Dialog mit den Kirchen führt und auch in unserer Kirche zurecht hochgeschätzt wird“, erklärte der koptische Bischof.
 

11. Juni 2018: Hesemann an der Universität Bayreuth


Hesemanns Dokumentenfunde über die Hintergründe des 1. Weltkriegs und der Novemberrevolution stießen auf das Interesse der akademischen Welt. So erhielt der Historiker eine Einladung von Prof. Dr. Hermann Hiery, Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte der Universität Bayreuth, und seinem Mitarbeiter Dr. Robert Schmidtchen, über diese Dokumentenfunde vor einem Doktorandenkolloquium zu referieren. Aufmerksam lauschten die ca. 20 Doktoranden den Ausführungen Hesemanns, bevor sie zahlreiche Fragen stellten. Ihr Fazit: Die Rolle der Freimaurerei in diesen historischen Prozessen darf nicht unterschätzt werden. Ihr Zeil war die Absetzung aller souveränen Monarchen - und ein Zurückdrängen des Einflusses der katholischen Kirche. Erst am 20. Dezember 2018 veröffentlichte Hesemann seine Erkenntnisse unter dem Titel "Die Freimaurer und der Erste Weltkrieg" in der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost":

"In diesem Monat gedachte die Welt des Kriegsendes vor hundert Jahren, nach dem erzwungenen Rücktritt des deutschen und der Verzichtserklärung des österreichischen Kaisers am 9. bzw. 11. November 1918. Dokumente, die ich unlängst im vatikanischen Geheimarchiv entdeckte, werfen ein neues Licht auf die Umwälzungen zu Ende des 1. Weltkriegs und die bislang von der Geschichtswissenschaft vernachlässigte Rolle der Freimaurerei.
 
Am 8. November 1918 schrieb der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz, der Kölner Erzbischof Felix Kardinal von Hartmann, an den apostolischen Nuntius in München, Erzbischof Eugenio Pacelli, den späteren Papst Pius XII.:
 
„Se(ine) Majestät der Kaiser läßt mir soeben mittheilen, daß nach ihm gestern zugegangenen Nachrichten der Groß-Orient beschlossen habe, zunächst alle Souveräne, in erster Linie ihn, den Kaiser, abzusetzen, dann die Kathol. Kirche zu vernichten (?), den Papst zu internieren etc. und schließlich eine Weltrepublik unter Führung des amerikanischen Großkapitals auf den Trümmern der bisherigen bürgerlichen Gesellschaft aufzurichten. Die deutschen Freimaurer seien dem Kaiser treu (was sehr zu bezweifeln ist!) und hätten ihn das wissen lassen.
Auch England wolle die bisherige bürgerliche Ordnung aufrecht erhalten. Frankreich und America aber ständen ganz unter der Herrschaft des Großorients. Der Bolschewismus solle das äußere Werkzeug sein, die gewünschten Zustände herzustellen. Bei der großen Gefahr, die außer der Monarchie auch der katholischen Kirche drohe, sei es nothwendig, daß der deutsche Episkopat hierüber informiert sei und daß auch der Papst gewarnt werde.“
 
Dass der Kaiser dem Kardinal eine so wichtige Nachricht anvertraute, verwundert wenig. Kardinal von Hartmann, der einer alten Beamtenfamilie entstammte, war ein persönlicher Freund Wilhelms II. Bei Kriegsbeginn war er eigens vom Kaiser nach Rom geschickt worden, um vor Papst Benedikt XV. den deutschen Einfall in das neutrale (und katholische) Belgien zu rechtfertigen, gegen den der belgische Kardinal Desiré-Joseph Mercier energisch protestiert hatte. Der Papst verzichtete auf eine Verurteilung des Reiches, die Deutschlands Katholiken in eine Loyalitätskrise gestürzt hätte, und entschied sich für einen Kurs der strikten Neutralität.
In den Akten der Nuntiatur in München fand ich eine Reihe von Schreiben des Kardinals, alle sauber von seinem Sekretär auf der Schreibmaschine getippt. Hier aber hatte der Kölner Erzbischof von Hand geschrieben, vielleicht wegen der großen Eile, vielleicht, um den „Mitwisserkreis“ so klein wie möglich zu halten. Beides unterstreicht, welche Wichtigkeit er dieser vertraulichen Information zubilligte.
Unterstrichen wird die Brisanz des Briefes schon dadurch, dass er nur einen Tag vor dem Ausbruch der „Novemberrevolution“ verfasst wurde. Schon in den Wochen zuvor war es im ganzen Reich zu Arbeiter- und Soldatenaufständen gekommen, die in erster Linie von den Anhängern der SPD und der USPD angezettelt worden waren. Revolution lag also im ganzen Land in der Luft, während der Kaiser sich, um den Unruhen in Berlin zu entgehen, in das Hauptquartier der Obersten Heeresleitung nach Spa (Belgien) begeben hatte. Am Abend des 8. Novembers beschlossen SPD und USPD Streiks und riefen zu Massenversammlungen ein, um den Kaiser zum Rücktritt zu zwingen. Obwohl immer mehr Soldaten sich den Aufständischen anschlossen, zögerte der Kaiser noch. So verkündete der nur wenige Wochen zuvor berufene Reichskanzler Max von Baden, ohne eine Antwort aus Spa abzuwarten, auf eigene Faust: „Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Throne zu entsagen.“
Fast panikartig floh Wilhelm II., der sich schändlich verraten fühlte, daraufhin in das niederländische Doorn, wo er erst am 28. November 1918 seine Abdankungsurkunde unterzeichnete. Das aufgefundene Dokument mag Aufschluss darüber geben, weshalb er so lange zögerte, auch wenn ihn gerade dieses Zögern die letzten Sympathien seiner Soldaten kostete.
Doch welche Rolle spielte der Geheimbund der Freimaurer in dieser Entwicklung? War der Kaiser wirklich vor einer Verschwörung gewarnt worden? Oder griff er in seiner verzweifelten Lage nach dem letzten Strohhalm, wollte er mit einer frei erfundenen Verschwörungstheorie den Papst auf seine Seite ziehen?
Erst durch weitere Recherchen im Vatikanarchiv stieß ich auf Dokumente, die den Hartmann-Brief in einen durchaus plausiblen Kontext stellen. Sie wurden dem päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli und seinem Vorgänger Andreas Frühwirth von einem deutschen Reichstagsabgeordneten übermittelt. Matthias Erzberger (1875-1921), Lehrer und Journalist aus Buttenhausen in Württemberg war ein prominentes Mitglied der katholischen Zentrumspartei. Kurz nach Kriegsausbruch richtete er einen Auslandsgeheimdienst ein und versuchte, Italien neutral zu halten. Nachdem er zunächst für einen Siegfrieden votierte, bewegte ihn Papst Benedikt XV. dazu, sich ab 1916 für einen Verständigungsfrieden einzusetzen. 1917 reichte er im Reichstag eine Friedensresolution ein. 1918 wurde er zum Leiter der Waffenstillstandskommission ernannt und unterschrieb am 11.11. den Waffenstillstand von Compiegne. In der jungen Weimarer Republik wurde er zum Minister ernannt und votierte für den Friedensvertrag von Versailles, was Angriffe seitens rechter Kreise und schließlich seine Ermordung zur Folge hatte.
Wie die Akten im Geheimarchiv zeigen, war Erzberger während des Krieges als regelrechter Agent für den Heiligen Stuhl tätig, der dem Vertreter des Papstes auch vertrauliche und geheime Dokumente übermittelte. So übersandte er am 3. August 1916 dem damaligen Nuntius Dr. Andreas Frühwirth „zu Ihrer streng vertraulichen Kenntnisnahme eine Aufzeichnung … aus der die verschiedenen Schritte zu entnehmen sind, die die italienische und französische Freimaurerei in allerletzter Zeit eingeleitet haben, um eine ihren Interessen offenbar noch zu früh kommende Friedensaktion im Keim
zu ersticken. Die Haupttendenz der bei den verschiedenen Besprechungen gefassten Beschlüsse richtet sich gegen den Heiligen Vater, gegen dessen etwaige Anteilnahme an den Friedensverhandlungen jetzt schon vorsorglich gearbeitet wird.“
 
Dem angelegten Geheimbericht zufolge „haben Ende Mai und neuerdings Anfang Juli 1916 Besprechungen zwischen Abgesandten der Grossoriente Paris und Rom stattgefunden, bei denen die Haltung der französischen und italienischen Freimaurerei gegenüber dem Friedensproblem erörtert wurden. Die Grundtendenz … in dem gemeinsamen Beschluss … (ist,) jede Friedensaktion, die jetzt und damit nach Ansicht der Beteiligten zu früh von irgendeiner Seite eingeleitet werden sollte, im Keime zu ersticken und ganz besonders gegen etwaige Schritte der Kurie rechtzeitig sowohl die Presse als die öffentliche Meinung von Italien und Frankreich mobil zu machen. Die gefassten Beschlüsse lauteten folgendermassen:
  1. Die italienische Freimaurerei müsse unverzüglich eine energische Aktion gegen den Vatican (und) gegen Benedikt XV. einleiten, wobei der Papst wegen seiner nicht unparteiischen Neutralität und unter Hinweis auf seine persönlichen Sympathien für die Zentralmächte angegriffen werden sollte.
  2. In Frankreich wie in Italien sei der Standpunkt zu vertreten, dass bei den Kabinetten der Entente auf den Ausschluss des Papstes von jeder Friedensconferenz hinzuwirken sei.
Zur Sicherung des Vollzugs dieser Abmachungen in Italien hat die französische Freimaurerei Anfang Juli dem Grossorient Rom weitgehendste materielle Unterstützung zugesagt. Auch hierbei stand der Hinweis auf die Notwendigkeit, die öffentliche Meinung gegen den Vatican und gegen eine von der kirchlichen Autorität kommende Friedensaktion mobil zu machen, im Vordergrund.“ 
 
Ein Jahr später, am 20. Juni 1917, mittlerweile war Eugenio Pacelli der neue Nuntius, staunte Erzberger, „wie sehr von der Freimaurerei für den Frieden gearbeitet wird, nachdem sie zuerst in den Krieg hetzte.“ In dem anliegenden Bericht heißt es, der Grossorient Paris habe im Januar 1917 beschlossen, mit Freimaurern der Mittelmächte Kontakt aufzunehmen und zusammenzuarbeiten. So fand in Genf ein Treffen statt, an dem neben Abgesandten des Grossorients die deutschen Freimaurer Fernau und Roesemeyer teilnahmen, die als „starke Eigenbrödler“ bezeichnet wurden, also kritisch waren.
War einer von ihnen der spätere Informant Wilhelms II.?
 
Noch brisanter ist ein Bericht, den Erzberger am 28. März 1918 Pacelli übersandte. Darin heißt es, Ernesto Nathan (1845-1921), der Großmeisters des Grande Oriente d’Italia (von 1896 bis 1904 und von 1917 bis 1919) und Bürgermeister der Stadt Rom (1907-13), ein fanatischer Republikaner und erklärter Feind der Kirche, habe „primär den Plan gehabt… in Deutschland eine ‚antiklerikale Bewegung‘, wenn nicht hervorzurufen, so doch vorzubereiten.“
Und weiter: „Innerhalb der Logen der Entente besteht Übereinstimmung darüber, dass es absolut unmöglich ist, den Krieg militärisch zu einem für uns siegreichen Ende zu führen, selbst wenn die amerikanischen Bedingungen erfüllt werden sollten. Es ist daher der einzig richtige Weg, den Sieg auf dem Weg einer inneren Erschütterung der habsburgischen Monarchie vorzubereiten. Gleichzeitig muss dasselbe in Deutschland verursacht werden. Da es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass die eiserne deutsche Disziplin es den ‚deutschen Bolschewikis‘ ermöglichen wird, eine Revolution herbeizuführen, so müssen andere, weniger gewalttätige Elemente des öffentlichen Lebens Deutschlands mobil gemacht werden.“
Insbesondere die Friedensbemühungen Benedikts XV. waren Nathan und dem ihm unterstehenden Großorient ein Dorn im Auge. So betont der Erzberger-Bericht, dass „man es … unter allen Umständen wünschenswert findet, sich der deutschen Logen zu versichern, um zu verhindern, dass der Papst, unter Ausnutzung der Stellung des (katholischen Reichskanzlers, des) Grafen Hertling und der Österreicher Unterwürfigkeit gegenüber dem hl. Stuhl es erreiche, die Friedensvermittlung in die Hand zu nehmen. In einem solchen Fall besteht nach der gleichen Quelle kein Zweifel daran, dass England Italien zum Verzicht auf jene Forderungen zwingen würde, ohne die die Verbündeten das Recht haben, den Artikel 15 des Londoner Vertrages als nicht mehr bestehend zu betrachten.“

Worum es in diesem ominösen „Artikel 15“ ging, hatte die Welt gerade erst erfahren.  
Nach der russischen Revolution hatte die Bolschewiken-Zeitung „Istwestija“ vom 15./28. November 1917 den Text eines Geheimvertrages zwischen England, Frankreich, dem zaristischen Russland und Italien veröffentlicht, der am 26. April 1915, also einen Monat vor Italiens Kriegseintritt (23.5.1915), unterzeichnet worden war. Nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes (Schreiben an die Nuntiatur vom 26.6.1918) bestätigte der britische Lord Stanmore später die Authentizität des Geheimvertrages und verteidigte seinen Inhalt. Danach „wird es Italien überlassen, mit Unterstützung der Entente-Mächte die serbisch-kroatischen Gebiete Triest, Süd-Tirol, Albanien, griechische Inseln, Teile Klein-Asiens und Afrikas einzunehmen als Gegenleistung für ein Eingreifen Italiens mit den Waffen gegen Österreich-Ungarn und über die Nichtzulassung einer
Einmischung des Papstes zwecks Beendigung des Krieges.“ Der besagte „Artikel 15“ sichert Italien die Unterstützung durch Frankreich, England und Russland zu, wenn es „die Zulassung von Vertretern des Heiligen Stuhls bei irgend welchen diplomatischen Schritten über den Friedensschluss oder über die Regelung der mit dem gegenwärtigen Kriege zusammenhängenden
Fragen“ erfolgreich verhindert.

Tatsächlich wurde der Heilige Stuhl nach Kriegsende von allen Friedenskonferenzen ausgeschlossen.
Der Versuch Benedikts XV., den Heiligen Stuhl als Friedensmacht zu definieren, wurde dadurch praktisch zunichte gemacht – genau wie es die Freimaurer gefordert hatten. Der Vatikan war isoliert und zur politischen Bedeutungslosigkeit verdammt. Auch wenn das nicht ganz die „Vernichtung der katholischen Kirche“ war, von der Kaiser Wilhelm sprach, so war diese doch deutliches Ziel und Objekt freimaurerischer Agitation und Sabotage. So wäre es allzu leichtfertig, von Hartmanns Schreiben als kaiserliche Panikmache abzutun. Stattdessen stellt sich die Frage neu, welche Rolle die Freimaurerei tatsächlich beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs und bei den späteren Friedensverhandlungen spielte, die Europas Antlitz auf immer veränderten."
 

5. Juni 2018: "Die christlichen Wurzeln Europas"


WASSENBERG. „Die christlichen Wurzeln Europas“ lautete der Titel des Vortrags, mit dem der in der Pfarrei St. Marien bereits bekannte Buchautor und Referent Michael Hesemann dieses Mal nach Wassenberg gekommen war. Anlass war das 900-jährige Bestehen der Stiftskirche St. Georg am Fuße des Bergfrieds. Hier im Kaminzimmer freute sich Propst Thomas Wieners, nicht nur Hesemann, sondern auch eine große Zahl von Besuchern begrüßen zu können.

Schwieriger Spagat: Sein Thema sei kein einfaches, „da sich unser Kontinent in der schwersten Identitätskrise seit 1700 befindet“, schickte Hesemann seinem mehr als einstündigen Parforceritt durch die Geschichte vorweg. „Europa weiß nicht mehr, wer oder was es ist, was sein Erbe, was sein Auftrag und was seine Zukunft sind“, fügte er jedoch als sein Fazit schon gleich zu Beginn hinzu, ehe er sich daran machte, diese These zu begründen. Europa wolle heute einerseits Teil von Amerika sein, gleichzeitig aber den Islam integrieren und dabei noch offen sein für immer mehr Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten.
„Das an sich schon ist ein Spagat, der nur schwer gelingen kann. Dabei werde schnell vergessen, dass Europa eine „einmalige Identität“ habe, „die sich eben nicht im Einheitsbrei des Globalismus zerstampfen und verrühren lässt“. Doch wer nun an dieser Identität hänge, dem werde schnell vorgeworfen, er sei Nationalist, doch dabei gehe es gar nicht um eine Nation, sondern um einen Kulturraum, betonte Hesemann.

Dann blickte der Referent zunächst 1700 Jahre zurück zum Toleranzedikt von Mailand aus dem Jahre 313. Dadurch sei das Christentum zu einer legalen, vom Staat geschützten Religion geworden. Die Errungenschaften heute seien daher nicht nur auf den Nährboden der griechisch-römischen Welt zurückzuführen, „sondern eben gerade auf seine ‚Bewässerung‘ mit dem Wasser der Taufe, auf seine Befruchtung durch das Christentum“, erklärte Hesemann und nannte Bildung, Entwicklungshilfe, Menschenrechte und Sozialfürsorge als wichtige Stichworte. Ohne die Botschaft des Evangeliums sei dies nie denkbar gewesen, dass „eine Kultur der Gleichwertigkeit aller Menschen entstand, der Fürsorge und der Solidarität: Das verdanken wir einzig und allein dem Christentum!“

Angesichts dieser Errungenschaften sei es geradezu absurd, dass man heute versuche, sie unter den Teppich zu kehren, „so, als sei das Christentum ein Relikt der Vergangenheit, dessen man sich fast schon schämen müsse“.
In diesem Zusammenhang übte der Referent auch Kritik an der EU-Verfassung, was ihr Bekenntnis zu christlichen Werten betrifft. Das sei „merkwürdig vage“. Man wolle ja auch kein „Christenclub“ sein, „lieber ein vages Gebilde ohne eigene Identität, beherrscht von einer Diktatur des Relativismus, der Beliebigkeit. Nach allen Seiten hin hoffen, aber ohne harten Kern.“

Mit Blick auf die 900-jährige Geschichte von St. Georg erklärte er jedoch: „Wie kann man hier stehen und überhaupt zweifeln, dass die Grundlage, die Identität Europas Christentum ist?“ Dieses Gotteshaus sei ein „Monolith“, der alle Irrungen und Wirrungen der Jahrhunderte unbeschadet überstanden habe. So sollte auch Glaube sein. Europa sei „ein Leuchtfeuer des Glaubens und der Zivilisation in einer suchenden und irrenden Welt. Oder besser: Dazu sollten wir es wieder werden lassen.“

„Advokat der Menschenrechte“: Das sei kein Nationalismus, betonte Hesemann. „Nicht unser Volk ist besser als die anderen, sondern das, was der Welt am meisten dient.“ Ein Europa, das sich selbst aufgebe, zur Nordprovinz Afrikas oder zum Westausläufer des Orients werde, sei zu schwach, die Vision einer besseren Welt in diese Länder zu tragen. Die Flüchtlinge kämen doch im Glauben auf eine bessere Welt hier in Europa.

Daher gebe es die Pflicht, „dafür zu sorgen, dass es so bleibt und dass auch ihre Heimat besser wird, nicht dass sich ihre Probleme auch bei uns ausbreiten“, erklärte er. „Ein starkes, christliches Europa ist ein starker Advokat der Menschenrechte, der christlichen Freiheit, der Werte unserer Kultur und unseres Glaubens und der Nächstenliebe in der ganzen Welt.“ Dieser Schatz sei ein Erbe unserer Vorfahren. „Es ist unsere Pflicht, ihn für die Nachwelt zu erhalten. Das gilt für die St. Georgkirche genauso wie – und dort noch viel mehr – für unser christliches Europa.“

Kontroverse:  In der anschließenden Diskussion sah sich Hesemann dem Vorwurf ausgesetzt, in der ersten halben Stunde habe sein Vortrag geklungen, als habe er ihn von der AfD abgeschrieben. Er konterte mit lautstarker Unterstützung aus dem Publikum, er habe lediglich dazu aufgefordert, sich authentisch und mutig zum christlichen Glauben zu bekennen, ihn zu leben und vielleicht auch den muslimischen Nachbarn dafür zu begeistern. „Wenn jemand das als AfD-Parole bezeichnet, dann hat er weder die AfD noch mich verstanden!“
http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/heinsberg/plaedoyer-fuer-ein-selbstbewusstes-europa-im-wassenberger-bergfried-1.1917483

Hier sein Vortrag in voller Länge: index.php?aktion=seiten_auswahl&seiten_id=1174850

1. Juni 2018: Klosterjubiläum in Höxter-Brenkhausen

Brenkhausen (WB/iwas). Aus einer verfallenen Ruine ist ein blühendes und lebendiges Kloster im Herzen von Brenkhausen erschaffen worden. Gelebte Ökumene ist im Koptischen Kloster seit 25 Jahren selbstverständlich, denn hier leben Katholiken und Kopten unter einem Dach. Dieses Jubiläum soll vom 1. bis 3. Juni gebührend gefeiert werden.

Für die Einwohner des Ortes ist das Kloster Brenkhausen inzwischen zum Mittelpunkt des Dorfes geworden. Diese Verbundenheit zeigte sich zuletzt in der gemeinsamen Arbeit am Klosterweg, der 2017 aus der Zusammenarbeit von Freunden des Klosters und Brenkhäusern entstand (wir berichteten). Ein anderes Projekt, das gerade aktuell fertiggestellt wird, ist ein neues ägyptisches Restaurant mit internationaler Küche im benachbarten Markushaus. Es wird die Region sicher bereichern.

Das Programm begann am Freitag, 1. Juni, um 14 Uhr mit einem Rückblick von Prof. Dr. Klaus Töpfer und der ehemaligen Bürgermeisterin Dorothea Baumgarten. Weitere Highlights waren der Vortrag von Dr. h.c. Michael Hesemann "Jesus in Ägypten: Das Geheimnis der Kopten" und der Festakt zum Jubiläum in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Zahlreiche internationale Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft – wie zum Beispiel der Botschafter der Arabischen Republik Ägypten S.E. Dr. Badr Abdelatty, S.E. Metropolit Augoustinos, der Aachener Altbischof Dr. Heinrich Mussinghoff, der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder, André Kuper (MdL), Elmar Brok (MdEP), Christian Haase (MdB) und der Landrat Friedhelm Spieker waren dazu nach Brenkhausen gekommen.
 


Hesemann referiert bei der Eröffnungssitzung der Historikerkonferenz "Republik Armenien 100" im Großen SItzungssaal ("Konferenzhalle des Präsidenten der Akademie") der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Republik Armenien

25. Mai 2018: Hesemanns Vortrag eröffnet Fachtagung der Armenischen Akademie der Wissenschaften


Zum 100. Jahrestag der Gründung der ersten Republik Armenien 1918 veranstaltete die Nationale Akademie der Wissenschaften der Republik Armenien (NAS-RA) vom 25.-26. Mai in Zusammenarbeit mit der Yerevan State University, die ebenfalls ihren 100. Gründungstag feierte, die Historikerkonferenz "Republic of Armenia - 100". Die Konferenz fand auf höchster Ebene Beachtung. So gingen Grußbotschaften des neuen armenischen Premierministers Nikol Pashinyan, des Präsidenten der Republik Artsakh (Berg-Karabach), Bako Sahakyan, des Katholikos der Armenisch-Apostolischen Kirche Karekin II. und des Katholikos des Großen Hauses Kilikien, Aram II., während Diaspora-Minister Mkhitar Hayrapetyan persönlich zur Konferenzeröffnung gekommen war. Nach den Eröffnungsansprachen des Präsidenten der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Republik Armenien, Prof. Dr. R. Martirosyan und des Rektors der Staatlichen Universität Jerewan, Prof. Dr. Aram Simonyan, hielten die beiden ausländischen Hauptreferenten ihre Vorträge, nämlich Prof. Dr. Giorgi Tcheishvili von der Staatsuniversität der Republik Georgien in Tblissi und Dr. h.c. Michael Hesemann.
Hesemanns Thema war "Papst Benedikt XV., der Vatikan und die Erste Republik Armenien". Sein Vortrag fand große Beachtung und führte zu einer Reihe von TV-Interviews, auch weil Hesemann der einzige geladene Referent aus Westeuropa war. Die Rolle der vatikanischen Diplomatie bei der Gründung der ersten armenischen Republik, wie sie von Hesemann und seinem Kollegen Dr. Mario Carolla untersucht und dokumentiert worden war, hatte bei den armenischen Historikern wohl auch mangels Zugang zu den Vatikanarchiven bislang noch keine größere Beachtung gefunden. Im Oktober 2016 hatte die NAS-RA in Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistung bei der Entdeckung und Auswertung der Dokumente über den Völkermord an den Armeniern in den Vatikanarchiven Hesemann die Ehrendoktorwürde verliehen. 

Hier sein Vortrag in voller Länge (in Englisch): index.php?aktion=seiten_auswahl&seiten_id=1175046