Michael Hesemann, Historiker und Autor
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4.5.2020: Trauer um Prof. Alma von Stockhausen

In den frühen Morgenstunden des 4. Mai verstarb eine der größten Philosophinnen unserer Zeit, Prof. Dr. Alma von Stockhausen, im fränkischen Wallfahrtsort Heroldsbach nach einer schweren Krebserkrankung. Die Gründerin der Gustav-Siewerth-Akademie wurde 92 Jahre alt. Ihr großes Lebensthema, das sie seit Jahrzehnten auch mit dem späteren Papst Benedikt XVI. verband, war der Brückenbau zwischen Glaube und Vernunft. Zu ihren Schülern gehören hunderte Priester und namhafte Theologen. Michael Hesemann, Dozent für Kirchengeschichte an der Gustav-Siewerth-Akademie, veröffentlichte auf "kath.net" diesen Nachruf:

Alma von Stockhausen wurde am 30. September 1927 im westfälischen Münster geboren. Ihr Vater war Franz Eduard von Stockhausen, ein prominenter Rechtsanwalt und Historiker, dabei tief im christlichen Glauben verwurzelt. Obwohl im Staatsdienst, konterte er dem damals herandämmernden braunen Zeitgeist und bezog aus dem täglichen Besuch der Heiligen Messe seine Kraft. Schließlich zog er nach Aschendorf in das urkatholische Emsland, wo er zumindest keine Repressalien zu fürchten brauchte. Hitlers „Mein Kampf“ setzte er das epochale Werk „Europas Kampf um Christus. Die Geschichte der christlichen Bewegung“ entgegen und auf das „Heil Hitler!“ nationalsozialistischer Kreisbeamter antwortete er stets mit einem ganz und gar nicht norddeutschen „Grüß Gott!“
Ihre Mutter, eine geborene Gräfin von Bernstorff, hatte – für eine Frau dieser Zeit eine Seltenheit – Philosophie studiert, um ihre Glaubensfragen zu klären. Bereits ihre Großmutter war, zum Schrecken der protestantischen Dynastie, zum katholischen Glauben konvertiert und auch sie wollte diesen Glauben mit den Methoden der Geisteswissenschaften überprüfen. Dabei fand sie nicht nur zu Christus, sondern lernte auch ihren Mann kennen. Sechs Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, zwei Mädchen und vier Jungen, von denen drei Priester wurden. Der Jüngste, Pater Dietrich von Stockhausen, betreute jahrelang deutsche Pilger in Medjugorje und leitete vor seiner Emeritierung die Gebetsstätte Heroldsbach. „Ich hatte wirklich heilige Eltern“, erinnerte sich die Professorin immer wieder in großer Dankbarkeit, „wir Kinder versuchten, ihnen nach Kräften nachzueifern. Sie wurden zu meinen größten Lehrern.“
Alma dagegen, die schon als Schülerin Kant las, war von der Philosophie fasziniert, mit der sie ihren Glauben überprüfen wollte und schließlich, ganz wie ihre Mutter, bestätigt fand. Als sie zehn Jahre alt war, kam es in Heede, in unmittelbarer Nähe von Aschendorf, zu Marienerscheinungen. Ihr Vater wurde konsultiert, als man die Seherkinder verhörte. Jeder Versuch der Gestapo, die vier Mädchen dauerhaft in die Psychiatrie einzuweisen, scheiterte; die Erscheinungen dauerten bis 1941 an. Geradezu schicksalhaft ist, dass Alma von Stockhausens Weg sie schließlich nach Heroldsbach führte, wo es zwischen 1949 und 1952, in den Gründerjahren der Bundesrepublik, ebenfalls zu heftig umstrittenen Marienerscheinungen kam. Man kann sagen, dass der Segen der Gottesmutter sie von Anfang bis Ende auf ihrem Lebensweg begleitete. Doch dieser Weg führte über die Wissenschaft, über eine gründliche und kritische Reflexion der deutschen Philosophie, die zur Grundlage auch jedes Theologiestudiums gehört. So studierte sie ab 1946 in Münster, dann in Göttingen und Freiburg Philosophie, Theologie und Geschichte, wurde Schülerin des großen Martin Heidegger, den sie später widerlegte, und fand ihren wahren Meister in Gustav Siewerth, dessen christliche Metaphysik auf Thomas von Aquin zurückging. Auch Alma von Stockhausen hatte bereits 1954 bei Max Müller über Thomas von Aquin promoviert.
Nach ihrer Habilitation lehrte sie ab 1962 an der Universität Freiburg Philosophie, wo sie 1968 in die Turbulenzen der Studentenrevolte geriet. Immer wieder wurden ihre Vorlesungen von linken Studenten gesprengt, bis eine geregelte Lehrtätigkeit unmöglich wurde. Sie reagierte auf ihre Weise mit Herzenswärme, kühlem Verstand und einer gehörigen Portion Mut. Zunächst lud sie die überzeugten Marxisten zum Essen, dann in ihr Haus im Südschwarzwald ein, wo sie ihnen dezidiert Marx widerlegte und ihnen den christlichen Glauben nahebrachte – nicht wenige wurden damals bekehrt. Aus diesen privaten Seminaren, zu denen immer häufiger namhafte Wissenschaftler, Philosophen und Theologen kamen, entstand schließlich die Gustav Siewerth-Akademie, die bald als „Deutschlands kleinste Hochschule“ bekannt wurde. Sie wurde 1988 als wissenschaftliche Hochschule in privater Trägerschaft staatlich anerkannt. Auch katholische Journalisten wurden hier von keinem geringeren als dem Historiker Guido Knopp ausgebildet und Nobelpreisträger wie John Eccles gehörten zu ihren Gästen. In kleinem, persönlichen Rahmen lernten so die Studenten von hochkarätigen Experten, die meist ehrenamtlich in Blockvorlesungen in Bierbronnen wirkten. Zum akademischen Leben gehört hier auch, dass nicht nur gemeinsam und mit allen Lehrkräften diskutiert, sondern ebenso gemeinsam gegessen und gebetet wird. Zudem zeichnet sich die Gustav Siewerth-Akademie durch hochkarätige Sommerakademien aus, die sich dem Dialog der Theologie mit der deutschen Philosophie, der Rolle Marias in der Heilsgeschichte, Darwins Evolutionshypothese im Licht der biblischen Schöpfungslehre oder, so im letzten Jahr, der Paul VI.-Enzyklika Humanae Vitae widmeten. „Sie verstand es, eine aus der Sehnsucht nach Wahrheit drängende Glaubenstiefe mit der Präzision eines hellwachen Geistes in unbestechlicher Klarheit zu verbinden“, beschrieb der Journalist Martin Lohmann eine ihrer Vorlesungen, „wer dieser Gelehrten, die mit großer Achtsamkeit anderen zuzuhören verstand, zuhörte, konnte die Frische eines geradlinigen Geistes aufgeklärter Aufklärung regelrecht verkosten.“
Zu ihren „Geburtshelfern“ und regelmäßigen Gästen gehörte der Regensburger Theologe Professor Joseph Ratzinger, der auch als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, ja sogar als Papst der Gustav Siewerth-Akademie freundschaftlich verbunden blieb. In einem Gratulationsbrief zu Alma von Stockhausens 90. Geburtstag, den sie 2017 feierte, erinnerte sich Benedikt XVI. an die vielen persönlichen Gespräche in Bierbronnen, „in denen Sie Ihre philosophische Vision entwickelten, die schließlich bis ins Geheimnis des lebendigen Gottes hineinreicht, die die Vernunft des Glaubens als Frucht der Anstrengung des Denkens sichtbar werden lässt. So ist dann in Bierbronnen die Gustav-Siewerth-Akademie entstanden, die vielen jungen Menschen Wegweisung wurde und trotz aller Schwierigkeiten noch immer einen wichtigen Dienst für das Zueinander von Denken und Glauben leistet“. Zuletzt besuchte die damals 91jährige den gleichaltrigen „Papa emerito“ noch im Mai 2019 in seinem Alterswohnsitz in den vatikanischen Gärten.
Immer wieder führten ihre philosophischen Studien sie zu jenem Thema zurück, das ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt wurde, ja schon vor ihrer Geburt den Weg ihrer Familie geprägt hatte: Der Auseinandersetzung mit Martin Luther und dem Protestantismus. Mit einer Klarheit und intellektuellen Schärfe, die den meisten deutschen Theologen längst abhandengekommen ist, sezierte sie Luthers Schriften und entlarvte seine Lehre als Reflektion seiner  Autobiografie, als Selbstrechtfertigung eines Opfers sündhafter Leidenschaften mit fatalen Folgen. „Die Krise der heutigen Theologie ist bedingt durch die Philosophie“, erkannte Alma von Stockhausen, ganz im Einklang mit Joseph Ratzinger: „Eine falsche Philosophie liegt der Theologie zugrunde. Und was ist diese falsche Philosophie? Das ist die deutsche Philosophie. Und die deutsche Philosophie ist von Luther nicht nur beeinflusst, sondern hat bei ihm ihren Ursprung.“ Darüber aufzuklären war ihre große Lebensmission, der Inhalt ihrer letzten wissenschaftlichen Arbeiten. Das Alter konnte ihren Körper beugen, nie aber ihre innere Haltung, ihre intellektuelle Redlichkeit und ihren Bekennermut. Keiner Diktatur des Relativismus und auch keinem baden-württembergischen Kultusministerium gelang es, diese aufrechte Cooperatrix veritatis in die Knie zu zwingen, die bis zuletzt für die geoffenbarte Wahrheit Zeugnis ablegte. Sie begriff, dass wahre Philosophie kein intellektuelles Ratespiel und auch keine Schmiede zeitgeistkonformer Denkmodelle ist, sondern ein Hinuntertauchen zum Urgrund des Seins, auf dem wir jenseits aller Irrwege dem lebendigen Gott begegnen.
Ihren Lebensabend verbrachte Alma von Stockhausen im fränkischen Heroldsbach bei Forchheim, wo ihr Bruder Dietrich nach wie vor segensreich wirkt. Dort leitete sie regelmäßig philosophische Seminare, verbrachte hunderte Stunden in stiller Zwiesprache mit dem Eucharistischen Herrn und schrieb ihr letztes Buch, das zu ihrem geistlichen Vermächtnis werden sollte. „Christus, die Liebe, die alles umfängt“ (Gustav-Siewerth-Akademie 2019) ist ihre persönliche, philosophisch-theologische Liebeserklärung an Den, der ihr zum Weg, zur Wahrheit und zum Leben wurde und dessen Liebe sich in jedem ihrer Worte und Taten widerspiegelte. Allen, die durch sie berührt und in ihrer Berufung bestärkt wurden, ist sie längst zur mütterlichen Lehrerin und Freundin geworden. Auch ich bin in meinem ganzen Leben keiner weiseren, gütigeren, frömmeren, ja heiligmäßigeren Frau begegnet.
Die letzten Wochen ihres Lebens nach einer schweren Operation am letzten Februartag konnte sie noch in Heroldsbach verbringen, dort, wo sich zwischen 1949 und 1952 der Himmel weit öffnete und den sieben Sehermädchen die Gottesmutter, Christus und viele Heilige und Engel erschienen. Jeden Tag empfing sie aus den Händen ihres Priester-Bruders die Heilige Kommunion. Sie lebte und starb wie eine Heilige. Jetzt ist sie, dem Himmel so nah und ganz von Seiner Liebe umfangen, zum Herrn heimgekehrt. Während sie die Wahrheit Gottes schaut, hat sie die Worte hinter sich gelassen, die nur der Schleier Seiner Liebe sind.

 

23.4.2020: Hesemann widerspricht Wolf - Fakenews zu Pius XII


In der in Hamburg verlegten liberalen Wochenzeitung DIE ZEIT veröffentlichte der für seine linksliberalen Thesen bekannte Münsteraner Kirchengeschichtler Prof. Hubert Wolf einen längeren Beitrag zur casua Pius XII. Wolf war, wie Hesemann, einer der Ersten, die vom 2.-6. März 2020 Zugang zu den Akten Pius XII. in den Vatikanarchiven hatten. Jetzt behauptete er, dabei ein Schlüsseldokument gefunden zu haben, dass den Vatikan der Vertuschung relevanter Beweise gegen den Weltkriegspapst überführe.  Darum forderte er erneut die sofortige Einstellung des Seligsprechungsprozesses. Hesemann konterte mit einem umfangreichen Artikel auf der katholischen Internetplattform kath.net, im amerikanischen katholischen Nachrichtendienst "ZENIT" sowie in Interviews mit dem "National Catholic Register" und dem "Catholic News Service" (USA) und warf Wolf vor, eine irrelevante Aktennotiz künstlich aufzubauschen und ihre Aussage zu verfälschen. Ansonsten sei der von Wolf als "Neuentdeckung" geschilderte Vorgang seit den 1960er Jahren bekannt; Hesemann schilderte ihn etwa 2018 in seinem Buch "Der Papst und der Holocaust" auf fünf Seiten (S. 215-220).

DAS ist der Text des von Wolf entdeckten Dokumentes, hier zum ersten Mal in voller Länge:

"Aktennotiz
Die Informationen im Schreiben von Sonderbotschafter Taylor sind schwerwiegend, daran besteht kein Zweifel.
Es muss jedoch sichergestellt werden, dass sie der Wahrheit entsprechen, da es auch unter Juden leicht zu Übertreibungen kommen kann.
Und meiner bescheidenen Meinung nach reicht es nicht aus, sich auf die Informationen des ruthenisch-katholischen Metropoliten von Lemberg und von Herrn Malvezzi zu stützen:
(Auch die Orientalen sind kein Beispiel für Aufrichtigkeit).
Sollten sich die Informationen als wahr erweisen, wäre es zweckmäßig, dies Herrn Tittmann mit großer Vorsicht zu bestätigen, da ich auch einen politischen (wenn nicht rein politischen) Zweck im Schritt der amerikanischen Regierung zu sehen glaube, die eine eventuelle Bestätigung durch den Heiligen Stuhl für ihre Zwecke publizistisch nutzen könnte: Dies könnte unangenehme Folgen haben, nicht nur für den Heiligen Stuhl, sondern vor allem für die Juden selbst, die in den Händen der Deutschen sind, die diesen Umstand nutzen würden, um die hasserfüllten und barbarischen Maßnahmen gegen sie zu verschärfen."

Untersuchen wir daraufhin einmal Wolfs Beweisführung und seine Schlussfolgerungen:
 
Die Tatsache: Die "Jewish Agency" schickte einen Bericht an die US-Regierung, die die Räumung der Ghettos in Polen, die Ermordung der Juden in Konzentrationslagern und die Verarbeitung ihrer Leichen zu Fett und Dünger zum Inhalt hat.
 
Wolf: "In Washington nahm man die Angelegenheit offenbar sehr ernst. So ernst, dass das Außenministerium beschloss, Papst Pius XII. davon in Kenntnis zu setzen."
Die Wahrheit: Washington hatte Zweifel und fragte beim Vatikan nach, ob dieser die besagten Informationen bestätigen könnte.
 
Wolf: "An jenem 27. September gab (Taylor) es (sein Schreiben) persönlich im Apostolischen Palast ab... Die Mitarbeiter des Staatssekretariats legten den Brief unmittelbar dem Papst vor."
Die Wahrheit: Taylor wurde von Pius XII. persönlich empfangen. So konnte er den Bericht und seinen Begleitbrief persönlich übergeben.
 
Wolf: "Erst jetzt ist klar, dass der Papst persönlich Einblick in das Schreiben nahm."
Die Wahrheit: Das ist seit den 1960er Jahren bekannt, es steht in den ADSS und auch in meinem Buch (von 2018), dass er Taylor persönlich empfing und darum auch sein Schreiben persönlich in Empfang nahm.
 
Wolf: "Andrej Szeptyzkyj, der Erzbischof der Stadt Lemberg, hatte Ende August in einem ausführlichen Schreiben an Pius XII. von schlimmsten Gräueltaten an den Juden berichtet."
Die Wahrheit: Das Schreiben vom 29.-31. August 1942 ist in den ADSS, Bd. 3, S. 625-629 vollständig abgedruckt und sogar eine Seite reproduziert. Es erwähnt das Schicksal der Juden in drei Sätzen: "Les Juifs en sont les premieres victimes. Le nombre des Juifs tues dans notre petit pays a certainement, depasse deux cent mille... etc." um dann im restlichen Text noch zweimal in einer Auflistung der deutschen Grausamkeiten die Massaker an den Juden zu erwähnen. Primär aber befasst sich der Bericht mit der Lage der ukrainischen Katholiken.
 
Wolf: Die Herausgeber der ADSS hätten diesen Brief mutwillig aus dem Zusammenhang gerissen und an anderer Stelle abgedruckt, "so verstreut, dass sich kein Bild zusammensetzen ließ".
Die Wahrheit: Tatsächlich wurde er in den Band zur "religiösen Situation in Polen und den baltischen Ländern" aufgenommen, weil er sich zu 98 % damit und nur zu 2 % mit den Juden befasste.
 
Wolf: "Es gibt aber noch ein weiteres Dokument ... von größter Bedeutung ... und dieses Puzzleteil, das hat unsere Archivsuche ergeben, wurde der Öffentlichkeit bislang gezielt vorenthalten."
Die Wahrheit: Tatsächlich ist dieses Dokument nur die interne Aktennotiz von Msgr. Dell'Acqua, die vor möglichen Übertreibungen warnt. Dieses Dokument ist völlig irrelevant, da es a/ nicht von einem der vatikanischen Protagonisten stammt, b/ keine neuen Informationen enthielt und c/ nur eine Binsenweisheit wiedergab: Vorsicht, Menschen, auch Juden (und sogar deutsche Professoren) neigen auch mal zu Übertreibungen!
 
Wolf: Der Vatikan antwortete den Amerikanern, man habe "die Exaktheit all der erhaltenen Informationen (nicht) überprüfen können", "obwohl eigene kirchliche Quellen, der Erzbischof Szeptyzkyj wie auch der italienische Geschäftmann Malvezzi, die Darstellung des Memorandums bestätigt haben."
Die Wahrheit: Die Judenmassaker in der Ukraine waren dem Vatikan seit Sommer 1941 bekannt. In dem Memorandum aber geht es um den Abtransport der Juden aus den Ghettos und ihre Ermordung in Lagern. Davon ist weder in dem Brief des Erzbischofs noch in dem Bericht von Malvezzi die Rede. Somit hatte zu diesem Zeitpunkt KEINE kirchliche Quelle den Inhalt des Berichtes, den Taylor vorgelegt hatte, bestätigt.
 
Wolf: "Der Heilige Stuhl wollte sich trotz nachhaltiger Bitten der USA (dem alliierten Appell vom 17.12.1942, der erstmals den Holocaust erwähnte) diesem Protest nicht anschließen."
Die Wahrheit: Wolf vergisst, zu erwähnen, dass der Vatikan sich damit auf die Seite der Alliierten gestellt und damit die katholische Kirche von Hitler und seinen Verbündeten als "Feindmacht" eingestuft worden wäre, mit allen damit verbundenen Konsequenzen. Die Lateranverträge und das Konkordat von 1933 machten aber eine zumindest scheinbare Neutralität des Vatikans zur Bedingung für die Duldung der katholischen Kirche.
 
Was steht also in dem von Wolf zum "Schlüsseldokument" erkorenen "Appunto"? Wörtlich: "Die Informationen, die im Schreiben von Botschafter Taylor enthalten sind, sind äußerst schwerwiegend, da besteht kein Zweifel. Es ist aber erforderlich, sich zu versichern, dass sie der Wahrheit entsprechen, weil es auch unter Juden leicht zu Übertreibungen kommen kann..."
 
Wolf: "Ein Satz, den man zweimal lesen muss, um seine Ungeheuerlichkeit ... aufnehmen zu können" ... "Der Zynismus ... ist kaum zu überbieten."
"Dell'Acqua zieht die Glaubwürdigkeit von jüdischen Quellen generell in Zweifel und bedient so ein damals auch in kirchlichen Kreisen weitverbreitetes antisemitisches Vorurteil."
Die Wahrheit: Hier grenzt Wolfs Argumentation schon an Absurdität. Eine allgemeine Mahnung zur Vorsicht - "trust but verify" - wird hier als Indiz für Antisemitismus missbraucht. Dabei steht nirgendwo so etwas wie: "Weil bekanntlich die Juden übertreiben" - DAS wäre Antisemitismus! -, sondern die Binsenweisheit, dass es nicht nur unter uns Christen, sondern AUCH UNTER Juden zu Übertreibungen kommt. „AUCH“ heißt: Juden sind da weder mehr noch weniger glaubwürdig als Christen; „UNTER“ bedeutet: natürlich nicht alle, aber im Einzelfall ist AUCH eine Übertreibung möglich.
 
War die Vorsicht angebracht?
 
JA, SIE WAR ES! Denn nachgewiesen unwahr, gemutmaßt oder übertrieben sind drei der in dem Bericht der „Jewish Agency“ gelieferten Informationen:
1. Die Juden aus dem Warschauer Ghetto wurden nicht "alle erschossen". Ein Teil wurde in den Gaskammern ermordet, ein Teil zur Zwangsarbeit eingesetzt. Das ist nicht weniger schrecklich, aber es geht um die Genauigkeit der präsentierten Informationen.
2. "Ihre Körper werden dazu benutzt, Fett herzustellen, und ihre Knochen zur Produktion von Dünger" ist eine "schwarze Legende des Holocaust", aber, wie wir heute wissen, unwahr.
3. "Im ganzen Gebiet von Ostpolen einschließlich der besetzten russischen Gebiete ist kein einziger Jude mehr am Leben" ist eine ziemliche Übertreibung, denn tatsächlich überlebten Tausende im Untergrund, viele als Partisanen.
Aus heutiger Perspektive mag dieser Einwand wie Erbsenzählerei erscheinen, angesichts der schrecklichen Wahrheit der Ermordung von sechs Millionen Juden. Allerdings geht es hier nicht um eine moralische Frage, sondern lediglich um die Präzision eines Berichtes, der augenscheinlich auf Hörensagen und Gerüchten basierte, von denen viele wahr waren, einige aber auch nicht. Da zur Vorsicht zu mahnen, bevor der Heilige Stuhl etwa als "Verbreiter alliierter Gräuelpropaganda" diskreditiert werden konnte, war sicher nicht unklug. Und nur darum ging es Dell'Acqua.
 
Wolf aber missbraucht diese angebrachte Mahnung zur Vorsicht im Umgang mit unverifizierten Informationen als Munition für eine Breitseite gegen den Vatikan. Er behauptet:
Wolf: "Obwohl die Informationen aus zwei voneinander unabhängigen Quellen einander bestätigen" ...
Die Wahrheit: Wo, bittesehr? Keine einzige der Quellen erwähnt die polnischen Ghettos oder gar die Todeslager! 

Wolf: "... relativiert Dell'Acqua ihre Verläßlichkeit mit einem mehr als zweifelhaften Argument ... Den Juden ... kann man prinzipiell nicht trauen."
Die Wahrheit: Wo steht das? Weder von DEN Juden ist in seinem Appunto die Rede noch von PRINZIPIELL oder gar TRAUEN. Den Satz "weil es auch unter Juden leicht zu Übertreibungen kommen kann" kann man eben NICHT als "Den Juden kann man prinzipiell nicht trauen" zu lesen, ohne ihn DRAMATISCH zu verfälschen!
Wolf: "zu menschenverachtend, zu herabwürdigend, zu antisemitisch."
Die Wahrheit: Nichts rechtfertigt diese Diffamierung eines Mannes wie Dell'Acqua, der lediglich zur Sorgfalt mahnte, und der ein verdienter Mann der Kirche war: Johannes XXIII hat ihn zum Bischof geweiht, Paul VI. zum Kardinal ernannt; er war einer der Konzilsväter und Kardinalvikar von Rom.
 
Dabei liefert Wolf selbst den besten Beweis, dass Dell'Acqua KEIN Antisemit war, wenn er dessen Appunto weiter zitiert: Ein gemeinsamer Protest mit den USA "könnte aber unerfreuliche Konsequenzen haben, nicht nur für den Heiligen Stuhl, sondern vor allem für die Juden selbst, die sich in den Händen der Deutschen befinden." Hier zeigt er gerade, dass ihm das Schicksal der Juden wichtig ist, wichtiger noch als die möglichen Konsequenzen für den Heiligen Stuhl, der immerhin mit einer Aufkündigung des Konkordats und der Lateranverträge rechnen musste.
 
Wolf: Die Bearbeiter der ADSS haben diesen Appunto "nicht veröffentlicht, sondern bewusst verschwiegen".
Die Wahrheit: Dell'Acqua konnte nur eine interne Aktennotiz verfassen, er war damals ein Minutante, kein "policy maker" im Vatikan. Daher war seine rein persönliche Meinung in den Augen der ADSS-Herausgeber irrelevant. Von einem "bewussten Verschweigen" kann keine Rede sein. Es war immer bekannt, dass die ADSS nur eine Auswahl der relevantesten Dokumente beinhaltet und nie Anspruch auf Vollständigkeit erhob. Dell'Acquas Binsenweisheit ist mit Sicherheit kein relevantes Dokument. Wolf missbraucht es nur für seine Verschwörungstheorie!
 

2.3.2020: Hesemann erhält als einer der 25 Ersten Zugang zu Pius XII-Akten im Vatikanarchiv


Michael Hesemann: "Seit zwölf Jahren, seit ich erstmals Zugang zum vatikanischen Geheimarchiv bekam, hatte ich auf diesen Tag gewartet. Gemeinsam mit der amerikanischen Stiftung, mit der ich zusammenarbeite, der „Pave the Way Foundation“, hatte ich an zwei Päpste, zwei Kardinalstaatssekretäre (Kard. Bertone und Kard. Parolin), den „Außenminister“ des Vatikans, Erzbischof Gallagher appelliert, die Bestände der vatikanischen Archive aus dem Pontifikat Pius XII. für die Forschung freizugeben. Papst Benedikt hatte dazu die Order erteilt, aber man war noch nicht so weit: Immerhin mussten über 15 Millionen Dokumente geordnet und inventarisiert werden. Erst als ich Papst Franziskus am 12. Dezember 2018 mein Buch „Der Papst und der Holocaust“ übergab und ihn bat, Pius XII. nicht nur seligzusprechen, sondern zum „Patron aller Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer“ zu ernennen, kam anscheinend Bewegung in die Sache. Am 4. März 2019 gab Franziskus bekannt, dass am 2. März 2020 die Pius-Bestände der Forschung zugänglich gemacht würden. Kurz darauf informierte das Geheimarchiv (heute: Apostolische Archiv) uns, dass nur 30 Historiker auf einmal Zugang zu den Akten bekämen und man einen Platz vorreservieren müsse. Das tat ich zum frühestmöglichen Termin, am 30. September 2019 und erhielt kurz darauf die Bestätigung: Vom 2.-18. März hatte ich Zugang zu den Akten, gehörte also zu den 30 Ersten. So buchte ich frühzeitig eine Unterkunft im Borgo Pio, gerade einmal 200 Meter von der Porta Sant’Anna entfernt, dem Zugang zum Vatikanstaat und damit zu den Archiven. Von da an fieberte ich dem 2. März entgegen. Für jeden Historiker war es, als würden Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen.

Doch dann, kurz vor dem Ziel, kam ein mulmiges Gefühl hinzu. Zuerst breitete sich das Corona-Virus in China aus, dann häuften sich die Fälle in Norditalien. Mein ursprünglicher Plan, mit dem Auto zu fahren, wurde zu riskant. Was, wenn die Schweiz die Grenzen schließt? Also buchte ich kurzfristig einen Flug. Als Freunde mir dringend von der Reise abrieten, wiegelte ich sie ab: In Nordrhein-Westfalen, meiner Heimat, gab es sechsmal so viele Corona-Fälle wie in Lazio, der Provinz von Rom. Trotzdem war es gespenstisch, als ich in Fiumicino landete. Uns erwarteten Sanitäter in Schutzanzügen, die jeden Passagier auf seine Körpertemperatur hin untersuchten. Ich wurde durchgewunken, setzte mich in mein Taxi und fuhr zu meinem Domizil. Nach einem kleinen Abendessen ging ich früh zu Bett, denn ich wollte gleich bei der Öffnung des Apostolischen Archivs um 8.30 Uhr dabei sein. Natürlich bekam ich nachts kein Auge zu.

Pünktlich um 8.35 Uhr stand ich am Empfang des Vatikanarchivs, legte meine „tessera“ (Zugangskarte) vor und bekam einen Schlüssel mit der Nummer „16“ ausgehändigt. Zu meinem Erstaunen war der erwartete Andrang ausgeblieben. Fünf Historiker des Holocaust-Museums in Washington und von Yad Vashem in Israel waren gar nicht gekommen, aus Sorge um die Corona-Epidemie. Stattdessen war der Münsteraner Kirchengeschichtler Hubert Wolf, der vorab gleich die Aussetzung des (bereits abgeschlossenen) Seligsprechungsprozesses Pius XII. gefordert hatte, mit fünf Assistenten angereist, die zunächst einmal einen Großteil der Inventarbände in Beschlag nahmen. Auch die folgenden Tage sollte sich das „Wolfsrudel“, wie wir sie liebevoll nannten, als ziemlich „hungrig“, hoffentlich aber auch als effizient erweisen.

Ich begann meine Suche in einem der Inventarbände des Staatssekretariats und konzentrierte mich auf das Umfeld des 16. Oktobers 1943, der „Judenrazzia“ von Rom. Mein erster Fund war signifikant. Bereits am 25.9.1943 hatte der deutsche Stadtkommandant General Stahel dem „Ilirischen Kolleg S. Girolamo“ einen Aushang ausgestellt, der es als „Eigentum des Vatikanstaats“ bezeichnete und deutschen Soldaten den Zutritt „strengstens“ verbot. Das schuf einen Präzedenzfall, auf den der Papst gleich nach der Razzia verweisen konnte. So gelang es ihm, innerhalb nur einer Woche von Stahel 550 weitere solcher Aushänge zu bekommen, mit denen ein Großteil der römischen Klöster und vatikanischen Einrichtungen vor dem Zutritt der Deutschen geschützt waren. Das war die Vorbedingung dazu, dass ab dem 25.10. in 235 Klöstern bis zu 4465 der insgesamt etwa 8000 römischen Juden versteckt und damit gerettet werden konnten. Die Dokumente, die ich einsah, belegten sogar, dass diese Aushänge in einer vatikanischen Druckerei produziert und dem General (bzw. seinem Adjutanten v. Veltheim) nur noch zur Unterschrift vorgelegt wurden. Die Initiative dazu ging also eindeutig von Pius XII. aus, was bislang immer wieder bestritten worden war.

Als der Vatikanische Pressedienst daraufhin verkündete, der Heilige Stuhl würde sich dafür einsetzen, dass sich ein solcher Vorfall wie die Razzia nicht wiederholen werde, war Pius XII allerdings entsetzt. Handschriftlich notierte er: „Ist es klug vom Pressedienst, diese Meldung herauszugeben?“ Dann fügte er hinzu, er sei sich „der Tatsache bewusst, dass es nicht hilfreich ist, schlafende Hunde zu wecken, speziell keine Nazis, und sie auf humanitäre Aktionen hinzuweisen, die vom Apostolischen Palast ausgehen“.

Die Archive hatten jetzt jeden Tag bis 17.00 Uhr geöffnet, jeder einzelne Forscher durfte sich drei Aktenordner am Morgen und zwei am Nachmittag zur Durchsicht kommen lassen. Mein Plan war, als Nächstes die Archive der Nuntiaturen und Apostolischen Delegationen zu durchforsten. Dabei fiel auf, dass viele Bestände noch nicht oder erst provisorisch inventarisiert waren. Man hatte es, angesichts der Menge an Material, einfach nicht geschafft. Wir können also auch in den nächsten Jahren noch mit einigen Überraschungen rechnen. Trotzdem war ich bis Freitag in der Lage, die das Thema „Ebrei“ (Juden) betreffenden Ordner der Nuntiaturen in Berlin, Bukarest, Bern, Italien,  sowie der Apostolischen Delegationen in Bukarest und London durchzuarbeiten.

Was an erster Stelle beeindruckte war die große Anzahl der Vorgänge und die Tatsache, dass die Gesandten des Papstes in Absprache mit Kardinalstaatssekretär Maglione offenbar alles taten, um auch jedem einzelnen Hilfsgesuch nachzukommen; natürlich leider sehr oft erfolglos. Aber es ist das aufrechte Bemühen zu spüren, wirklich so viele Juden wie möglich vor der Deportation in Gebiete zu bewahren, aus denen glaubwürdige Berichte über Massenerschießungen und ab 1943 auch über Todeslager vorlagen. Hier nur drei Beispiele aus dem neu gesichteten Material:
  • Schon 1941 erreichten Gerüchte über Massaker, die erste Phase des Holocaust, den Vatikan. Im Herbst 1941 schickte Pius XII. einen vertrauten Priester und Feldkaplan der Malteser, Don Pirro Scavizzi, in Krankenzügen an die Ostfront. Er kehrte im November 1941 zurück und bestätigte die Berichte. Jetzt stieß ich im Archiv der Nuntiatur in Bern auf einen Augenzeugenbericht vom 6.4.1943, dem drei Fotos einer Massenexekution beigelegt waren. Sie müssen den Papst darin bestärkt haben, seine Rettungsmaßnahmen noch intensiver fortzuführen. In Rumänien und Bulgarien war er damit erfolgreich, in der Slowakei gelangen ihm zumindest mehrere Aufschübe, in Ungarn wurden die Deportationen erst Anfang Juli 1944 abgebrochen, nachdem Pius XII. ein persönliches Telegramm an Staatschef Horthy geschickt hatte.
  • „Retten um jeden Preis“ lautete die Devise des Papstes. Als die Rumänen die Juden zumindest nicht in die von den Deutschen besetzten Gebiete, sondern in das eher unwirtliche Transnistrien deportierten, bemühte sich der Nuntius mehrfach erfolgreich, zumindest jüdische Waisenkinder nach Palästina zu bringen. Im Süden Frankreich hatten Katholiken tausende Kinder deportierter Juden versteckt, die, als die Deutschen auch dort die Kontrolle übernahmen, außer Landes gebracht werden sollten. Über die Nuntiatur in Bern gelang es, 3000 Visa für die USA, Kanada und die Dominikanische Republik zu bekommen.
  • Ein anderes Mal, als Ende 1943 216 Juden mit südamerikanischen Pässen, die ihnen der Vatikan besorgt hatte, im Lager Vittel festgehalten wurden und nach Osten deportiert werden sollten, wurde der Nuntius bei zwölf Botschaftern vorstellig – alle erteilten ihm eine Absage. Dann traf die Antwort der Amerikaner ein: „Die Regierung der Vereinigten Staaten schätzt die humanitären Aktivitäten des Heiligen Stuhls in dieser Sache… hat aber die lateinamerikanischen Staaten abgewiesen, dass man nicht von ihnen erwartet, dass sie diesem Gesuch nachkommen“. Lediglich Brasilien nahm eine dreiköpfige jüdische Familie auf. Die restlichen 213 Juden wurden am 28. Juli 1944 nach Auschwitz geschickt.
Am Freitag endete unsere Euphorie über die gerade gehobenen Schätze. Am Tag zuvor hatte die medizinische Versorgungsstelle des Vatikans ihren ersten Corona-Fall gemeldet. Kein Vatikanmitarbeiter, kein Römer, wohl ein Tourist oder Obdachloser. Die Sorge war spürbar, schon als ich im Konsultationssaal meine gerade bestellten Ordner abholen wollte. Plötzlich trugen die Archivmitarbeiter Gummihandschuhe, eine Historikerin einen Mundschutz. Dann lag ein Stapel Kopien auf dem Tisch: „Aufgrund der momentanen epidemiologischen Situation in Italien und dem Vatikanstaat und um das Risiko einer Verbreitung von COVID-19 zu reduzieren, sind die Apostolischen Archive vom 9. bis 13. März geschlossen.“ Es ist davon auszugehen, dass diese Schließung bis mindestens Anfang April andauern wird.

Mir blieb nichts anderes übrig als meinen Rückflug zu buchen. Ich weiß, dass ich bislang nur ein paar Schneeflocken auf der Spitze eines Eisberges entdecken durfte. Ich werde baldmöglichst nach Rom zurückkehren, wenn die Archive wieder offen sind. Denn es ist Zeit, dass endlich die ganze Wahrheit über Pius XII. ans Licht kommt!"
 

25.2.2020: Hesemann startet Petition für Kardinal Woelki


Pünktlich zum Karneval war es wieder einmal so weit. „Im Erzbistum Köln rumort es“ und „Die Kritik an Kardinal Woelki wegen mangelnden Reformwillens nimmt zu“, meldete die „Rheinische Post“. Auslöser war die Kritik des Kölner Erzbischofs Rainer Kardinal Woelki am „Synodalen Weg“, den er mit einem „protestantischen Kirchenparlament“ verglichen hatte. Sofort sprang der ehemalige WDR-„Mittagsmagazin“-Moderator Kurt Gerhardt in die Bresche, der bislang eher selten als engagierter Katholik in Erscheinung getreten war. Am 10. Februar veröffentlichte er eine Online-Petition, in der er mit dem Erzbischof mächtig ins Gericht ging. „Statt dringend benötigte Reformen voranzutreiben, sendet Kardinal Woelki Signale, die die Sache schlimmer machen“, wetterte der Journalist. Schon daher habe der Kölner Erzbischof „die Zeichen der Zeit nicht verstanden“. So holte Gerhardt die ganz große Keule aus dem Sack: „Wir Katholiken im Erzbistum Köln distanzieren uns davon und sprechen ihm unsere Missbilligung aus“, schloss er seine Petition. 

Das große Echo blieb zunächst aus. Erst als die Köln-Bonner Lokalpresse, der „Stadtanzeiger“, „Generalanzeiger“ und das Boulevardblatt „Express“, dem Journalistenkollegen zur Hilfe kamen, fand er ein paar hundert Unterstützer, von denen sich die meisten in ihren angefügten Kommentaren als kirchenfern „outeten“. Erst der zitierte „Rheinische Post“-Bericht ließ die Zahl der Unterschriften ansteigen. Bis zum 1. Mai 2020 unterschrieben 2297 Linkskatholiken, Protestanten und Kirchengegner seine Petition.

"Doch wer oder was gab Gerhardt das Recht für 'uns Katholiken im Erzbistum Köln‘ zu sprechen, wo er doch allenfalls eine linke Minderheit vertritt?", fragte der Historiker Dr. h.c. Michael Hesemann, als Düsseldorfer ebenfalls Katholik im Erzbistum Köln, "ich habe ihm nie das Mandat erteilt, für mich zu sprechen. Aber geht das nicht uns allen so, mit erschreckender Regelmäßigkeit? Jemand aus dem linken Spektrum maßt sich an, in 'unserem' Namen Absurditäten wie die Aufhebung des Zölibats, die Weihe von Frauen oder eine Neudefinition der kirchlichen Sexualmoral zu fordern. Da ihm sofort die kirchenferne Presse zu Füßen liegt, wird seine Privatansicht zur veröffentlichten Meinung. Geschieht dies mehrfach, so entsteht der Eindruck, es sei eine Mehrheitsmeinung. Die schweigende Mehrheit der lehramtstreuen Katholiken dagegen wird zumindest medial einfach nicht zur Kenntnis genommen.

So verfasste Hesemann 14 Tage später eine eigene Petition "Solidarität mit Kardinal Woelki": "Wir Katholiken aus dem Erzbistum Köln und ganz Deutschland danken Seiner Eminenz, Rainer Kardinal Woelki, dass er in dieser Zeit der Irrungen und Wirrungen einen klaren Kopf behält und einen dezidiert katholischen Kurs fährt." Hesemann weiter: "Die Kirche hat nicht stromlinienförmig und zeitgeistkonform zu sein, sie ist ewigen Werten verpflichtet. Jede Reform hat nur ihrer Heiligung zu dienen, nicht ihrer Verweltlichung und Anpassung an den gewiss nicht christlichen Zeitgeist. Insofern war der "Synodale Weg" von Anfang an eine Mogelpackung und ein Irrweg. Eine Mogelpackung, weil er vorgaukelt, auf nationaler Ebene über Dinge zu entscheiden, die nur auf weltkirchlicher Ebene entschieden werden können. Deutsche Sonderwege führen lediglich ins Schisma. Der Rhein fließt nicht in den Tiber und am deutschen Wesen wird die Kirche ebenso wenig genesen wie die Welt. Ein Irrweg auch, weil er zu einer Protestantisierung der katholischen Kirche führt, die niemand braucht: Wer verheiratete Pastoren und Pastorinnen, eine Laienkirche, zeitgeistigen Relativismus und eine laxe Sexualmoral sucht, der findet diese bereits in der EKD. Ob dies ein Erfolgsmodell ist, mag angesichts noch höherer Kirchenaustrittszahlen, leerer Kirchen, Pastorenmangel und Mißbrauchsskandalen auch dort zumindest zweifelhaft erscheinen. Wir aber wollen katholisch bleiben und wir brauchen Hirten, die nicht dem Zeitgeist hinterherhecheln und mit den Wölfen heulen!
Daher hat Kardinal Woelki völlig recht, wenn er vor einer Reformation 2.0 warnt und daran erinnert, dass die Kirche gerade dadurch, dass sie immer Fels in der Brandung war, die Wirren der Zeiten überstand - eben nicht durch Populismus, sondern durch Christozentrik, nicht durch Verweltlichung, sondern durch konsequente Entweltlichung, die den Weg zum Himmel frei macht! Sie folgt damit den Worten Jesu: „Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,16).
Wer den Zeitgeist heiratet, ist schnell Witwer. Die Kirche aber ist die Braut Christi, nicht das Flittchen des Zeitgeistes. Sie ist Gotteswerk, nicht Menschenwerk und kann darum auch nie eine Demokratie sein. Wahrheit läßt sich nicht durch Mehrheiten bestimmen, sie kann nur geoffenbart und definiert werden.
Wir sind dankbar, dass sich unser Erzbischof als guter Hirte erweist, der klare Kante zeigt und bekunden Kardinal Woelki unsere Solidarität und Verbundenheit im Gebet und in der Sorge um unsere Kirche, die wir bei ihm in guten, treuen Händen sehen. Mit ihm erstrahlt Köln, diese Tochter Roms, in neuem Licht: Semper fidelis!"


Nach zwei Monaten hatte 4476 Katholiken aus dem Erzbistum Köln und ganz Deutschland Hesemanns Petition unterschrieben - doppelt so viele wie der Woelki-Kritiker Gerhardt sammeln konnte. "Damit ist der Beweis erbracht, dass die Mehrheit der deutschen Katholiken hinter Kardinal Woelki steht und mit ihm in seiner Kritik am 'Synodalen Weg', der ein Irrweg ist, übereinstimmt", erklärte Hesemann: "Bislang waren wir lehramtstreue Katholiken die schweigende Mehrheit. Aber jetzt schweigen wir nicht mehr. Wir stellen uns jetzt demonstrativ hinter jene Bischöfe, die unsere Kirche bewahren und nicht verwässern wollen. Wir brauchen und wollen keine Reformen, die an ihre Substanz gehen. Wir brauchen Bischöfe, die sich als Hirten erweisen und ihre Herde vor den Wölfen schützen!"

12.-18.2.2020: Auf den Spuren der Bibel in Jordanien


Eine Woche lang besuchte Michael Hesemann das Königreich Jordanien zwecks Recherchen zu einem neuen Buch. Stationen seiner Reise waren Amman, Tell el-Hammam, die Taufstelle Jesu, Madaba, der Berg Nebo, Dhiban, Mukawer, Bab el-Dhra, Kerak, Numeira, Lot's Cave, Wadi Musa, Petra, Wadi Ram und Aqaba. Ein ausführlicher Bericht findet sich hier: index.php?aktion=seiten_auswahl&seiten_id=1180198





27.1.2020: Holocaust-Gedenken des Vatikans:
Düsseldorfer Historiker Hesemann an der UNO


Auf Einladung des neuen ständigen Vertreters des Heiligen Stuhls an den Vereinten Nationen, Erzbischof Gabriele Caccia, sprach der Düsseldorfer Historiker Michael Hesemann (55) am letzten Montag auf einer Gedenkveranstaltung zum Holocaust im UNO-Hauptquartier in New York.

Hesemann war einer von acht internationalen Experten, die vor 300 Diplomaten und Vertretern der Weltreligionen zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz über die Bemühungen des Vatikans und des Papstes Pius XII. zur Rettung der verfolgten Juden redeten. Neben ihm kamen u.a. auch Prof. Limore Yagil von der Sorbonne als Vertreterin der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Prof. Matteo Napolitano vom Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften, Vatikan-Archivar Johan Ickx und der Jude Gary Krupp zu Wort, dessen „Pave the Way-Foundation“ sich seit zwei Jahrzehnten für die Aussöhnung von Juden und Katholiken einsetzt.

Der Düsseldorfer legte auf der Veranstaltung an der UN Dokumente vor, die beweisen, dass der Vatikan bereits unmittelbar nach der Pogromnacht am 9. November 1938 den Plan hatte, über 200.000 Juden aus Deutschland zu evakuieren; ein Vorhaben, das daran scheiterte, dass zu wenige Staaten Visa für jüdische Flüchtlinge ausstellten. Später versuchte der Papst in über 40 diplomatischen Interventionen, Deportationen von Juden in die Todeslager zu verhindern. Als die Juden Roms während der Besetzung durch die Nazis deportiert werden sollten, gelang es dem Papst nicht nur, die „Judenaktion“ noch während der ersten Verhaftungsstelle zu stoppen – er gewährte auch etwa 4500 Juden im Vatikan und in über 200 römischen Klöstern Zuflucht.
Hesemann wird einer der 30 ersten Historiker sein, die am 2. März Zugang zu insgesamt 15 Millionen Seiten bislang unveröffentlichten Dokumenten aus dem Pontifikat Pius XII. (1939-1958) bekommen. In seinem Buch „Der Papst und der Holocaust“ wertete er bereits rund 5500 vom Vatikan vorab veröffentlichte Dokumente aus.

Hier sein Vortrag in der ungekürzten Fassung:
index.php?aktion=seiten_auswahl&seiten_id=1179174



Licht in der Finsternis!

An den Vereinten Nationen erinnerte der Vatikan an seine Hilfe für die verfolgten Juden während des Holocaust
Der 27. Januar 2020 wurde weltweit als der 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz und Gedenktag an die sechs Millionen Opfer des Holocaust begangen. Für den neuen Nuntius und ständigen Vertreter des Heiligen Stuhls an den Vereinten Nationen, Erzbischof Gabriele Caccia, war es noch mehr: es war an der Zeit, an die zahlreichen Versuche der katholischen Kirche zu erinnern, den Antisemitismus zu überwinden und den Juden in dieser dunkelsten Stunde ihrer Geschichte helfend beizustehen. „Wir sagen niemals wieder, wir sagen, wir erinnern uns, aber wir müssen auch hier und heute handeln“, erklärte er vor fast 500 Diplomaten, Würdenträgern und Repräsentanten diverser Religionsgemeinschaften zur Eröffnung der dreistündigen Gedenkveranstaltung „Remembering the Holocaust“ in der UN Trusteeship Council Chamber im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York, gleich neben dem Tagungssaal des UN-Sicherheitsrates. Um „Die Bemühungen des Heiligen Stuhls und der katholischen Kirche, Leben zu retten“ angemessen zu dokumentieren, hatte er acht internationale Experten eingeladen, die in zahlreichen historischen Archiven Belege für die Aktivitäten des Weltkriegspapstes Pius XII und seiner Helfer gefunden haben. Dabei bediente er sich des weltweiten Netzwerkes der in New York beheimateten „Pave the Way-Foundation“ des Juden Gary Krupp, die sich seit zwei Jahrzehnten um den Dialog zwischen Juden und Christen und die Rehabilitation des zu Unrecht immer wieder Angriffen ausgesetzten Pacelli-Papstes verdient gemacht hat.

In seinem Eröffnungsvortrag erinnerte sich Krupp daran, wie er erstmals vom Holocaust erfuhr, als ihm sein Vater, ein Weltkriegs-Veteran, von der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald erzählte und ihm Bilder der Leichen zeigte. „Er mahnte mich zeitlebens, alles daran zu setzen, dass sich so etwas nie mehr wiederholt“. Jahrzehntelang glaubte Krupp die „schwarze Legende” vom “Schweigen des Papstes“, bis er in Italien Augenzeugen begegnete. Heute weiß er, dass Pius XII. allein in Rom 6381 Juden in 696 Klöstern, kirchlichen Einrichtungen und privaten Wohnungen verstecken ließ. „Es ist eine bedauerliche Ironie des Schicksals, dass dieser eine Mann im besetzten Europa, der mehr als jeder andere tat, um diese schrecklichen Verbrechen zu verhindern, zum Sündenbock für alle anderen wurde“, erklärte Krupp.

Prof. Edouard Husson von der Cy Cergy Universität in Paris untersuchte die Ursprünge der nationalsozialistischen Ideologie und des Antisemitismus, die von der katholischen Kirche ab 1928 als „Häresie“ (Irrlehre) verurteilt wurden.

Prof. Ron Rychlak von der Universität von Mississippi zitierte Zeugen, darunter den ehemaligen Chef des rumänischen Geheimdienstes, Mihau Pacepa, die von einer gezielten Kampagne des sowjetischen Geheimdienstes sprachen, mit dem Ziel, die katholische Kirche und Pius XII. zu diffamieren. Mit dem Theaterstück des deutschen Skandaldramatikers Rolf Hochhuth begann die „Fakenews“-Kampagne, die sogar so weit ging, den Papst, der Hitler trotzte, eine heimliche Sympathie für die Nazis zu unterstellen.
Der deutsche Historiker Michael Hesemann wies nach, dass Eugenio Pacelli lange vor seiner Wahl zum Papst persönliche Freundschaften zu Juden unterhielt und sogar die zionistische Bewegung unterstützte. Bereits 1917, als Nuntius in München, setzte er sich dafür ein, die drohenden Massaker an jüdischen Siedlern im damals osmanisch besetzten Palästina zu verhindern. Bei seiner Wahl zum Papst 1939 stellten ihn jüdische Zeitungen explizit als „treuer Freund der Juden“ und Gegner der Nazis dar. Tatsächlich bezeichnete Pacelli, der seit 1923 den Aufstieg Adolf Hitlers in München verfolgte, den Nationalsozialismus schon 1925 als „die wohl gefährlichste Häresie unserer Zeit“ und den „Führer“ ein paar Jahre später als „Verbrecher“ und „abgrundtief schlechten Menschen“. Nach der Kristallnacht, so zeigte Hesemann anhand von Dokumenten, die er im vatikanischen Geheimarchiv entdeckt hat, wollte Pacelli, mittlerweile Kardinalstaatssekretär von Pius XI., 200.000 Juden – fast die gesamte Judenheit im Deutschen Reich – die Flucht ins Ausland ermöglichen; das Unternehmen scheiterte allerdings an der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Weltgemeinschaft, die nicht bereit war, ihnen so viele Visa auszustellen. Dass Pius XII. zwar drei Mal offen gegen den Holocaust protestierte, dabei aber weder Täter noch Opfer beim Namen nannte, hatte, so Hesemann, nur den Zweck, die Nazis nicht zu einer Verschärfung der Maßnahmen zu provozieren. Immerhin gelang es der vatikanischen Geheimdiplomatie durch über 40 diplomatische Interventionen zwischen 830.000 und 960.000 Juden vor dem sicheren Tod in den deutschen Vernichtungslagern zu retten.

Details solcher Rettungsaktionen legte Prof. Luigi Napolitano dar. So fand er in Vatikanarchiven Stempel und Formblätter, mit denen Männer der Kirche Dokumente fälschten, um Juden während der deutschen Besatzung die Flucht oder ein sicheres Versteck zu ermöglichen. Ein offener Protest wurde den Nazis mehrfach angedroht. „Aber es war eine Waffe mit nur einer Kugel. Hätte er protestiert, hätte er damit nicht mehr drohen und nichts mehr bewirken können.“

Die jüdische Historikerin Prof. Limore Yagil von der Sorbonne in Paris, Beraterin der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, legte minutiös die Bemühungen der französischen Bischöfe dar, Juden zur Flucht zu verhelfen oder bei französischen katholischen Familien zu verstecken – über 200.000 überlebten auf diese Weise. Immer wieder holten sich diese Bischöfe und der unermüdliche „Judenpater“ Benoit Rat und Hilfe beim Papst. „Die Kirche war damals noch hierarchischer, als sie heute, nach dem Konzil ist“, stellte sie fest. „Da wäre es unmöglich gewesen, solche Aktionen zu wagen ohne Rückendeckung aus Rom.“

Mark Riebling, Autor des Bestsellers „Die Spione des Papstes“, wies nach, dass Pius XII. seit Oktober 1939 mit dem deutschen Widerstand kollaborierte – einer Verschwörung, deren Ziel es war, Hitler zu töten. „Die Männer dieses Netzwerkes, aus dem auch Graf Stauffenberg hervorging, mahnten ihn immer wieder, bloß nicht zu protestieren, denn Hitler hätte das zum Vorwand genommen, um die katholische Kirche in Deutschland zu zerschlagen. Sie brauchten die Kirche aber, als Netzwerk für den Widerstand, und den Papst als ihren Kontakt zu den Alliierten und als Fürsprecher für das von ihnen geplante, demokratische Nachkriegsdeutschland“. Ein Ergebnis dieser Bemühungen, an denen Katholiken wie Protestanten beteiligt waren, war der ökumenische Dialog in der Nachkriegszeit, aber auch die Erklärung „Nostra Aetate“ des 2. Vatikanischen Konzils, die zur Aussöhnung mit dem Judentum führte.

Johan Ickx, Leiter des Historischen Archivs des Vatikanischen Staatssekretariats, sprach davon, was Historiker vorfinden werden, wenn am 2. März 2020, wie von Papst Franziskus angekündigt, ein gutes Dutzend vatikanischer Archive ihre Bestände zum Pontifikat Pius XII. – insgesamt über 15 Millionen Seiten Dokumente – freigeben werden. Dabei würde sich zeigen, dass Bischöfe und Nuntien, die längst als „Gerechte unter den Völkern“ (Nichtjuden, die Juden retteten) in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geehrt werden, nur in engster Absprache mit und auf Weisung von Pius XII. gehandelt haben. „Wir haben hier also die absurde Situation, dass die Mitarbeiter geehrt wurden, aber nicht ihr Vorgesetzter, der ihnen den Auftrag erteilt hat.“
Auch die sieben Historiker, die an den Vereinten Nationen sprachen, warten ungeduldig auf den „großen Tag“. „Es wird Zeit, dass die Wahrheit über Pius XII unbestreitbar wird, dass sich seine Gegner nicht mehr hinter der Ausrede ‚wir warten, bis die Archive öffnen‘ verstecken können“, erklärt Michael Hesemann, der 2018 für sein Buch „Der Papst und der Holocaust“ bereits 5300 vorab vom Vatikan veröffentliche Dokumente und 77.000 Seiten, die von „Pave the Way“ (ptwf.org) online gestellt wurden, ausgewertet hat. „Papst Pius XII. war ein Licht in der Finsternis, die damals den größten Teil Europas umhüllte. Er handelte weise und schaffte es so, fast eine Million Juden zu retten, deren Nachkommen heute ein Drittel der gesamten Judenheit ausmachen, während die Nationen der Welt meist untätig zuschauten.“ So stimmt der deutsche Historiker Papst Franziskus zu, der bei seiner Ankündigung der Öffnung der Archive am 4. März 2019 betonte: „Die Kirche braucht die Wahrheit nicht zu fürchten“.

Die gesamte dreistündige Gedenkveranstaltung wurde gefilmt und kann auf der UN-WebTV-Seite abgerufen werden:
http://webtv.un.org/…/remembering-the-holoc…/6127031085001/…